Globalisierung und „Wirtschaftsflüchtlinge“

Während die Globalisierung und der mit ihr einhergehende Freihandel viele Gewinner unter anderem China und Indien hervorbrachte und den westlichen Industrienationen mehr Wohlstand bescherte, ging Afrika südlich der Sahara nicht nur leer aus. Seine wirtschaftliche Situation verschlechterte sich durch die Globalisierung immens.

So verlor Subsahara Afrika im Zuge des Freihandels im Hinblick auf Agrarprodukte ihre Wettbewerbsfähigkeit, weil seine Märkte mit Waren übergeschwemmt wurden, die die Binnenproduktion vernichtete. Da die meisten Menschen ihr Brot im Agrarsektor verdienten, erzeugte dies eine hohe Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite konnten die Menschen nicht in die anderen Sektoren zum Beispiel in den Industriesektor ausweichen, da auch dort die Lage durch die Überschwemmung der afrikanischen Märkte mit Gebrauchtwaren (Kleidung, Computer, Autos, Maschinen etc … ) desolat war. Diese Arbeits- und die daraus resultierende Perspektivlosigkeit, sind es die die Menschen dazu veranlassen dem Kontinent den Rücken zu kehren mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, das aus ihrer Sicht nur in den westlichen Industriestaaten realisierbar ist.

Daraus entsprangt die Charakterisierung als „Wirtschaftsflüchtling“ und die Angst, dass wenn sie sich einmal niedergelassen haben, den Sozialstaat ausnutzen würden. Gewiss gibt es überall Trittbrettfahrer, jedoch wer seiner Heimat den Rücken gekehrt hat und so weit gekommen ist, träumt von etwas größerem als von Sozialleistungen.

Denn im Unterschied zu den westlichen Industriestaaten, fungieren die Kinder in Afrika südlich der Sahara weiterhin als Alterssicherung. Wer in den Westen bzw. in das „Paradies“angekommen ist, trägt nunmehr die große Verantwortung nicht nur für die eigenen Eltern, sondern muss auch für die ganz große Familie sorgen. In form von: Bildungsfinanzierung, Finanzierung sämtlicher Lebenshaltungskosten inklusive Gesundheit etc… Dies gelingt unmöglich indem man Monat für Monat auf staatliche Unterstützung angewiesen ist. Die meisten Afrikaner, die es hierher geschafft haben, sind fleißig und wollen arbeiten, sie wollen selbst in der Lage sein Geld zu verdienen. Nur die gesetzliche Lage stellt manchmal ein Hindernis dar.

Insofern stellen die sog. Wirtschaftsflüchtlinge anders als dargestellt keine Gefahr für den Sozialstaat dar. Ganz im Gegenteil, sie zahlen zugleich in die Rentenkasse ein und tragen gleichzeitig mit ihren Rücküberweisungen zum  Wirtschaftswachstum in den Ursprungsländern bei.

 

 

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