Rohstoffblase, Internetblase, Immobilienblase: Reaktionfähigkeit des Nationalstaates

Posted in Wirtschaftspolitik, africa, economic policy, german post, international relations, off topic on Mai 14th, 2010 by valerie

Aufgrund ihres Rohstoffs- und Ressourcenreichtums und der Attraktivität ihrer Cash-Crops auf dem Weltmarkt,  fusste die Wirtschaft der meisten Staaten Afrikas südlich der Sahara – in den 60er Jahren nach der Entkolonialisierung – überwiegend auf  Einnahmen aus Rohstoff- und Cash-Cropshandel mit dem Staat als wichtigster Arbeitsgeber und Investor.

Analog zu der Immobilienblase 2007, platzte die Rohstoffblase aufgrund der vorangegangenen Rohstoffpreisschocks der 80er Jahre. Die meisten Volkswirtschaften des Schwarzen Kontinents erlitten massive Einnahmenausfälle, die sie am Rande des Bankrotts  führten.

Ich errinnere mich daran, dass die ersten Sparmaßnahmen der Regierung darin bestand, das Gehalt der Beamten erst bis zu 70% zu kürzen. Da diese unmittelbare Sparmaßnahme  nur den Effekt eines Tropfen auf dem heißen Stein hatte, diente das komplette Einfrieren der Gehälter als nächster Schritt . Ich spürte dies als Kind, da die halbstaatliche SODECAO bei der mein Vater damals als Vortand arbeitete von Heute auf Morgen pleite ging und er unerwartet mit allen Konsequenzen in die Frührente versetzt wurde.

Plötzlich gab es nicht mehr genug  zu essen. Aus drei Mahlzeiten am Tag, wurde nur noch eine. Nicht einmal die Schulbeiträge, die ihm so wichtig waren und die pro Trimestre erhoben werden sollten, war er noch in der Lage zu entrichten. Dann folgten die Strom- und Wasserrechnungen, die sich stapelten und der Vermieter, der genauso betroffen war, lies auch wegen den Mietrückständen nicht mehr locker. Schließlich war das Leben in der Stadt nicht mehr finanzierbar, so zogen wir ins Dorf zurück, da wo man von dem lebt, was man selbst anbaut. Nicht nur wir waren von den Folgen dieser Krise so betroffen, sondern die Gesamtbevölkerung Kameruns.

Diese Wirtschaftskrise traf meine Familie besonders hart, da mein Vater alles auf Kakao gesetzt hatte. Er arbeitete nicht nur für eine Firma die Kakao Erzeugnisse verarbeitete, er investierte auch sein gesamtes Vermögen in den Anbau von einer 43 Hektars Kakaoplantage, die nicht nur als zweites Standbein für die Ernährung seiner Kinder, sondern auch als seine Altersvorsorge fungierte. Da Kakao auf dem Weltmarkt nicht mehr attraktiv war, sanken die Preise dementsprechend bis zu 70%. Die gesamten Ernten die danach folgten waren quasi wertlos. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater sich am Anfang weigerte sein Kakao unter diesen Bedingungen zu verkaufen, er dachte die Situation wurde sich ganz schnell wieder verbessern. Es wurde jedoch schlimmer und er erlitt einen Herzinfarkt und starb.

Da die entstandene Wirtschaftskrise keinen Sektor ersparte, wurden selbst die eigenen Erspanisse eingefroren. Die meisten menschen in Kamerun hatten die Ursachen dieser Krise jedoch nicht verstanden. Sie brachten sie eher mit Demokratie, Missmanagement und Korruption in Verbindung. Da es unmittelbar davor einen Regierungswechsel gegeben hatte.

Die alte Diktatur unter der es Kamerun wirtschaftlich sehr gut ging und die neue “Demokratie”, die aufgrund der Überschneidung mit den Entwicklungen auf dem Weltmarkt,  Unheil erzeugte. Wir alle klagten deshalb, dass die Lebensbedingungen unter der Diktatur besser gewesen wären, da man durch Arbeit eine gewisse Lebensqualität hat erreichen können und trauerten ihr nach. Die Demokratie jedoch versprach die Freiheit aber mit ihr war das Unheil entstanden, dachten wird zumindest. Wie frei kann also ein Volk sein das hungert und das seine Kinder nicht einschulen und ihnen deshalb keine Zukunftsperspektive anbieten kann?

Diese Denkweise blieb bis ich hier in Deutschland mein Studium der Politikwissenschaft aufnahm bei mir verankert.

Als ich dann meine Diplomarbeit über Kamerun verfasste und ich die Möglichkeit dadurch bekam die wahren Hintergründe dieser Wirtschaftskrise auf dem Grund zu gehen, habe ich verstanden welches Unrecht wir unserem Staatsmann und der Demokratie durch unsere Ingnoranz teilweise getan haben.

Die damalige Wirtschaftskrise war weniger auf die Demokratie und auf Missmanagement sowie Korruption als viel mehr auf die Entwicklungen auf dem Weltmarkt zurückzuführen.

Die seit 2007 aus den USA ursprüngliche und inzwischen global gewordene Wirtschafts- und Finanzkrise und die ergriffenen Maßnahmen für die Milderung ihrer Folgen, insbesondere die aktuelle Maßnahmen um den Staatsbankrott in Griechenland zu verhindern, wecken in mir ein Gefühl der tiefen Bewunderung für mancher Staatsmänner Afrikas südlich der Sahara. Denn entgegen der verbreiteten Meinung die  miserable Wirtschaftslage der hochverschuldeten armen Ländern zu denen die meisten  Staaten Afrikas in Zuge der Rohstoffpreisschocks der achtziger Jahre rangieren, sei wegen  der schlechten Regierungsführung, Missmanagement und Korruption entstanden, zeigt die aktuelle Wirtschaftskrise die Ohnmacht der Nationalstaaten gegenüber Entwicklungen auf dem Weltmarkt seien sie hoch- oder minderentwickelt.

Dennoch bleibt die Frage der Reaktionsfähigkeit der verschiedenen Staaten bei der Abwehr von den Folgen, die aus solchen Blasen entspringen unterschiedlich. Ob ein Staat in der Lage ist sich selbst zu helfen oder auf die Dritthilfe angewiesen ist.

Dieses System der Selbsthilfe müssen die afrikanische Staaten spätestens nach der aktuellen Finanzkrise aufbauen.

Denn aufgrund der Unvorhersehbarkeit solcher Blasen ist lediglich die Frage der Reaktionsfähigkeit der betroffenen Staaten ausschlaggebend.

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Zukunft Afrikas: Sanierung und Modernisierung der Regierungen als Chance?

Posted in Sub-Saharan Africa, africa, economic policy, german post, politics on Juli 7th, 2009 by valerie

Nicht nur die Welt, sondern wir Afrikaner selbst wissen, was die Entwicklung und den Fortschritt bei uns in Afrika hemmt. Warum ändert sich dann denn nichts?

Die Lektüre des Buches von Nelson Mandela “The long walk to freedom” über die Errinnerungen an seine Kindheit, weckte in mir verschiedene Gefühle. Es war so als würde ich über meine eigene Kindheit lesen.

Einerseits waren es Gefühle, wie Heimweh und Sehnsucht nach meiner Kindheit, die mich heimsuchten, denn ich fand meine Kindheit unbeschreiblich und unglaublich schön. Unbekümmert Barfuss durch den Wald voller Geheimnisse und Gefahren mit Geschwister, Cousins und Cousine zu fetzen, im Schlamm und staub zu wühlen, mit den aus Kautschuk selbst gemachte Bällen Fussball spielen, Ziegen, Schweine, und Hühner hinterher zu laufen und sich dann in der Nacht vor einem brennenden Feuer gegenseitig vor dem Einschlafen Geschichten zu erzählen machte mich glücklicher als alles andere. Diese natürliche Freiheit ist was meine Kindheit ausmachte und die ich nicht vermissen möchte.

Dennoch wurde mir andererseits bei der Lektüre dieser Zeilen über seine Kindheit allmählich bewusst, wie sehr die Zeit in Afrika stehen geblieben, wie unterentwickelt Afrika geblieben war. Im Bezug auf die Geschichte, was Entwicklung und Fortschritt anbelangt, gehören wir sozusagen der selben Generation an, obwohl wir tatsächlich etwa 60 Jahre auseinander sind. Dies finde ich wirklich bestürzend.

Die Unterentwicklung Afrikas ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, die weltweit von Wissenschaftlern, Schriftstellern, verschiedenen Künstlern, Journalisten und Medien tagtäglich denunziert werden. Korruption, institutionelles Versagen, traditionelle Hintergründe, mangelnde ökonomische Diversifizierung, die Ungerechte Verteilung der Früchte des Wachtums, Kapitalflucht, zu geringe Investition in Humankapital und Marginalisierung auf Welthandelsebene… Die Liste könnte noch beliebig fortgesetzt werden.

Fest steht, dass diese Erkennisse alleine nicht ausreichen, um die Situation in Afrika zum besseren zu wenden. Damit Afrika die verlorenen Jahre wieder aufholen kann.

Ja es wurden exogene und endogene Maßnahme zur Entwicklungförderung unternommen, diese aber blieben erfolglos. Es wird ein Zustand der Stagnation gar der Rückläufigkeit was den afrikanischen Entwicklungsprozess anbelangt beobachtet.

Wieso lebt nach allen Erkenntnissen und  Anstrengungen immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung Afrikas Südlich der Sahara unter dem Existenzminimum?

Warum ist über Afrika immer noch die Rede von Armutreduzierung und -bekämpfung und nicht schon längst über Wohlstand für alle?

Während in den westlichen Demokratien, eine schlechte Regierungsführung der Machtinhaber durch ihre Abwahl bestraft wird, erlebt man in Afrika anscheinend das Gegenteil. Je schlechter die Regierungsführung desto öfters werden die Verantwortlichen wiedergewählt.

Kamerun zum Beispiel kennt seit seiner Unabhängigkeit 1960 nur zwei Präsidenten. Der erste, Ahmadou Ahidjo  regierte 22 Jahre lang. Der aktuelle Paul Biya ist seit 27 Jahre im Amt und ein Ende seiner Amtzeit ist nicht in Sicht. Ein Rekord erreichte sein im April im Amt verstorbener Amtskollege aus Gabun Omar Bongo Odimba, der sein Land 41 Jahre lang regierte. Gabun das bekanntlich sehr reich an Erdöl ist, geht es aber nicht besser als anderen Ländern auf dem Schwarzen Kontinent, was vielleicht seine überzogene Amtzeit rechtfertigen würde. Ganz im Gegenteil Omar Bongo musste in Spanien (wo er auch starb) behandelt werden, weil er nach 41 Jahre Regierungszeit es nicht geschafft hatte ein angemessenes Krankenhaus bereit zu stellen, das würdig gewesen wäre ihn selbst zu behandeln.

Also bei der Suche nach Lösungen für eine effizientere Entwicklung Afrikas, sollte die Komponente der Modernisierung und Sanierung seiner Regierungen samt Personal nicht vernachlässigt werden. Afrika braucht neue Manschaften.

Ein afrikanischer Sprichtwort sagt, dass ein einziger mit Karies erkrankter Zahn es schaffen kann alle andere Zähne anzustecken, wenn er nicht rechtzeitig entfernt wird. Deshalb soll die Sanierung ganz oben beginnen. Dies allerdings fällt wegen des Souveränitätsgebots in die Zuständigkeit des Volkes, das aber aus unterschiedlichen Gründe von seinen Rechten zu wenig Gebrauch macht. Hierin liegt das Dilemma der Entwicklung Afrikas.

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Afrika: Ethnizität und Demokratie zwei Gegensätze?

Posted in africa, english post, french post, german post, off topic, politics, worth reading on Juli 2nd, 2009 by valerie

Ethnizität erstickt die Demokratie!

Wird in den westlichen Demokratien die parteientypologie durch verschiedene Konfliktlinien gekennzeichnet, wie dies die Differenzierung Rokkans zeigt u.a. Bourgeoisie contra Proletariat, Staat contra Kirche, Stadt contra Dorf etc… so fusst die Parteientypologie der Länder Afrikas nicht primär- wie es von einer Partei erwartet wird- auf eine Gruppe gleichgesinnter Bürger, die sich die Durchsetzung gemeinsamer politischer Vorstellungen zum Ziel gesetzt haben, sondern die ethnische Zugehörigkeit entscheidet zumeist über die Parteizugehörigkeit. Was dem demokratischen Prozess zwangsläufig im Wege steht.

So kommt es zum Beispiel in Kamerun, dass die Regierungspartei die RDPC (Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais) hauptsächlich eine Partei der Beti,  die UPC (Union des Populations du Cameroun) eine Partei der Bassa und  SDF (Social Democratic Front) eine Anglo/Bami Partei sind, um nur diese zu nennen.

Es geht hier weniger um die Durchsetzung zum Beispiel gemeinsamer wirtschaftspolitische, sozialpolitische, Umweltpolitische oder ethische Interessen, als vielmehr  um die Durchsetzung der Interessen einer bestimmten ethnischen Gruppe.

Dementsprechend werden auch die Ämter in der Regierung besetzt. Die Qualifizierung und die Geeignetheit sind hier zweitrangig.

Der Staatschef ist somit primär der Präsident seiner ethnischen Gruppe.

Das für die afrikanische Mentalität typische Prinzip  der “Väterlichen Solidarität”, das beinahe einem ungeschriebenen Gesetz gleicht, verpflichtet jeden Politiker und jeden Inhaber öffentlicher Ämter, seiner Familie bzw. seiner breiten Verwandschaft, seiner Herkunftgemeinschaft und seinen politischen Klienten zu helfen. Wenn dies nicht in Form von Schenkung Steuergelder geschieht, dann  in Form von Posten-und Auftragsvergabe.

Diese moralische Verpflichtung verletzt aber die Grundsätze der Chancengleichheit und diejenige der Gerechtigkeit, die demokratische Kriterien darstellen.

Es geht hier primär weder um den Gemeinwille noch um das Allgemeinwoh, sondern um den Sonderwille der jeweiligen regierenden ethnischen Gruppen. Diese ethnischer Despotismus kann so alles sein, aber von der Demokratie ist sie noch weit entfernt.

Also wie beabsichtigt die Afrikanische Union, die Vereinten Staaten von Afrika,  wofür sein Kommissionspräsident Jean Ping zunehmend Sympathie entwickelt, zustande zu bringen? Wenn die verschiedenen Mitgliedsländer innenpolitisch  so fragmentiert sind, dass die ethnische Identität Vorrang vor der nationalidentität hat? Wie kann unter diesen Umstände eine afrikanische Identität erreicht werden?

Die Konvertierung dieser Sonder- bzw. Ethnie bezogenner Wille in Gemeinwille ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Nationenbildung.

Diese wiederum ist Voraussetzung für den Fortschritt.

Das Scheitern des Schwarzen Kontinents ist somit unter anderen an einer fehlgeschlagenen Nationenbildung zurückzuführen. Eine Erfolgreiche abgeschlossene Nationenbildung der einzelnen Länder Afrikas ist somit Ausschlaggebend für den Demokratiesierungsprozess und für den Fortschritt.

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