Afrika: der zu späte Kontinent!

Posted in africa, economic policy, Entwicklungspolitik, german post, off topic, worth reading on November 29th, 2018 by valerie

Der schlafende Löwe muss endlich aufwachen!

Wenn man sich die westliche Industriestaaten mit der afrikanischen Brille anschaut, ist man dazu geneigt zu glauben, dass ihr Fortschritt und Wohlstand selbstverständlich sind. Gottgegeben eben.

Andersherum, dass es sich bei der Armut, dem Elend, der hohen Kindersterblichkeit, der Seuchen, der Geringen Lebenserwartung, der Kriege und der Korruption südlich der Sahara um eine Selbstverständliche Unabänderlichkeit handelt.

Schaut man sich aber die Geschichtsbücher genauer an, stellt man fest, dass die westliche Industrieländer nicht von Anfang an zivilisiert waren. In ihrer Geschichte hatten sie auch mit Armut, Seuchen (Cholera, Pest), Kindersterblichkeit, geringe Lebenserwartung, Kriege etc… zu kämpfen. All die Probleme womit Afrika heute immer noch konfrontiert ist und endlich bewältigen muss damit es endlich weiter gehen kann. Während diese Probleme die treibende Kraft für Erfindungen in den westlichen Industrieländern gewesen sind, so nach dem Motto Not macht erfinderisch, scheinen diese Seuchen eine paralysierende Wirkung für Afrika südlich der Sahara zu haben.

Dabei muss Afrika das Rad nicht neu erfinden. Dafür haben die westlichen Industriestaaten bereits gesorgt.

Verwendete man lange Zeit Pferde, Maultiere, Kamel, Ruder- und Segelschiffe für die Überwindung des Raumes, wurden später die Eisenbahn, das Dampfschiff, das Auto und das Flugzeug erfunden. Es gab Fortschritte in der Medizin, die zum Rückgang der Kindersterblichkeit und zur Anstieg der Lebenserwartung führten.

Wurde die Landwirtschaft mit archaischen Methoden unter Verwendung archaischer Ackergeräte betrieben, so gelang man dank Forschung und Technik zu Modernen landwirtschaftlichen Methoden und steigerte die landwirtschaftliche Erträge. Mit dem Aufkommen der Industrialisierung fand eine Transition von der Überwiegenden Landwirtschaft zur Industriewirtschaft statt, die wiederum die Dienstleistung auf den Plan rief. Seitdem wird die Innovation in den westlichen Ländern vorangetrieben und ihr Vorsprung scheint für Afrika uneinholbar.

Denn während sich die Welt in großen Sprünge verändert und andere Nationen vorankommen, sich im Zuge ihrer schwindelerregenden Entwicklung gar dem Paradies nähern, beschäftigen sich die meisten Länder südlich der Sahara immer noch mit der immerwährenden Frage der Armut? Mit der Frage, wie sie ihre Kinder Tag für Tag satt kriegen sollen. Die Kindersterblichkeit ist vergleichsweise nach wie vor hoch und die Lebenserwartung gering.

Wie ist das zu erklären? Wieso hat sich der Schwarze Kontinent nicht von den innovativen Erfindungen der westlichen Welt bedienen können um sich zu entwickeln?

Warum ist Afrika nicht gelungen stark aus den unterschiedlichen Seuchen herauszukommen und Entwicklung voranzutreiben, an der Spitze der Welt mitzuspielen und seine Rolle als Weltsozialhilfeempfänger endgültig abzulegen?

Ja die Sklaverei hat den Kontinent geschwächt.

ja der Kolonialismus hat der Kontinent gelähmt

ja die Globalisierung und ihrem Freihandel hat die Volkswirtschaften südlich der Sahara teilweise demontiert

Ja Aids hat manche Dörfer verwüstet

Ja der Terrorismus hat Afrika mancherorts auch erreicht

aber andere Nationen waren in ihrer langen Geschichte auch mit solcherlei Herausforderungen konfrontiert, dies hat sie jedoch nicht daran gehindert fortschrittlich zu sein.

Was ist mit dir Afrika?

Ich höre deine Kinder immer noch weinen, immer noch schreien vor Hunger. Ich sehe deine Kinder immer noch sterben. Sterben vor Hunger, von einfachen Krankheiten, die mit einer einfachen Impfung hätten vorgebeugt werden können. Ich sehe deine Jugend am offenen Meer vor die Hunde gehen, mit der Hoffnung, einmal leben zu dürfen.

Die Welt blickt nun einer neuen Transition entgegen. Die Glocken für ein neues Zeitalter haben geläutet. Die Digitalisierung ist im Anmarch. Bist du darauf vorbereitet? Es ist Zeit aufzuwachen und damit aufzuhören dein Potenzial verkümmern zu lassen. Bilde deine Jugend gut aus! Ermutige sie zur Unternehmensgründungen durch Förderungen, denn  Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und sorgen für Staatseinnahmen, die wiederum für die Verbesserung der Infrastruktur eingesetzt werden können und somit zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Biete deiner Jugend endlich eine Perspektive!

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Brain-Drain und Digitalisierung

Posted in Digitalisierung, Entwicklungspolitik, german post, off topic, worth reading on November 19th, 2018 by valerie

Laut Martin Ford, Autor des Buches: „The rise of the Robots„, werden Studium und gute Ausbildung im Zeitalter der Robotisierung und künstlichen Intelligenz kein Garant mehr für eine Anstellung darstellen. Seiner Beobachtung zufolge wird die zukünftige Generation schmerzhaft feststellen müssen, dass obwohl sie alles im Bezug auf Bildung richtig gemacht hat, dass sie trotzdem nicht von der durch die Digitalisierung bedingten Arbeitslosigkeit verschont bleiben wird. Denn für Unternehmen bringen Roboter viele Vorteile, mit welchen der Mensch als Arbeitnehmer nicht in der Lage sein wird zu konkurrieren. So können Roboter im Vergleich zum Mensch,  nicht nur schneller lernen. Sie können das Gelernte im schwindelerregendem Tempo unermüdlich umsetzen. Im Unterschied zum Mensch haben Roboter zum Beispiel kein Verlangen nach Work-life-balance. Kurzum sie stellen keine Ansprüche womit Arbeitgeber sich nolens volens arrangieren müssen (Arbeitsverträge). Die Priorisierung der Roboter auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt wird daher unumgänglich sein.

Aber bevor Roboter auf dem Arbeitsmarkt mit Menschen konkurrieren bzw. Menschen ersetzen können, braucht es heute bereits Menschen, die fähig sind Roboter in der Lage zu versetzen sie zu ersetzen. So gesehen ist die mit der Digitalisierung zusammenhängende Arbeitslosigkeit meines Erachtens keine Zukunftsmusik. Wir sind bereits Mittendrin. Wie soll man sonst das aktuelle Phänomen, Fachkräftemangel erklären? Wenn jede zweite Stellenbeschreibung digitale Kompetenzen (Digitale Experten) voraus setzt, über die viele Arbeitssuchende aktuell nicht verfügen, weil sie nicht rechtzeitig vermittelt worden sind und die Arbeitssuchende von Heute deshalb diese Kriterien nicht erfüllen. Digitale Analphabetismus ist heute ein Handicap auf dem Arbeitsmarkt, weil unabhängig von den übrigen Qualifikationen man keine gute Aussichten auf einen Job zu hat.

Aber der Mensch ist so konzipiert, dass er sein Leben lang lernen kann. Er besitzt die Fähigkeit sich ständig den Umständen anzupassen. Das Augenmerk für die Lösung des Problems: Fachkräftemangel, sollte daher nicht primär in der Anwerbung ausländischer Fachkräfte liegen. Die Unternehmen sollten auch bereit sein ihre eigene Mitarbeiter  weiterzubilden und bei Neuanstellungen digitale Fähigkeiten nicht Voraussetzen, sondern die Bereitschaft dieses Defizit durch Arbeit und Weiterbildung zu kompensieren. Und die Geduld aufbringen die dafür benötigte Zeit einzuräumen. Kurzfristig mag dies nicht optimal erscheinen, es handelt sich hierbei jedoch um eine Investition, die sich langfristig auszahlen wird.

Der Bedarf an Fachkräfte ist so Akut, dass er sich mit Blick auf den herrschenden internationalen Wettbewerb ohnehin nicht lediglich durch Braindrain decken lassen wird.

Hinzu kommt, dass Braindrain Entwicklung beeinträchtigt. Wenn immer mehr Talente Entwicklungsländern den Rücken kehren, verliert letzterer erheblich an Potenzial die eigene Entwicklung durch Innovation voranzutreiben. Die Stagnation gar Rückentwicklung ist die unmittelbare Konsequenz. Was wiederum hat die Abwanderung anderer Bevölkerungsschichten in die reiche Entwickelten Industriestaaten als Folge. Es entsteht ein Teufelskreis aus dem die Entwicklungsländer nicht mehr rauskommen.

Wer also gewillt ist, Entwicklung voranzutreiben und die Ursachen (Armut, Krieg, Pandemien, Korruption) der Illegalen Einwanderung zu bekämpfen, Sollte die Talente und Fachkräfte der Entwicklungsländern nicht abwerben, stattdessen Mittel zur Verfügung stellen damit diese Talente ihre Kräfte und Kreativität zum Wohle ihrer Ländern vor Ort entfalten können.

 

 

 

 

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Lindners Bäckerei-Anekdote

Posted in Entwicklungspolitik, german post, Innenpolitik, Integration, Intergrationspolitik, off topic on Mai 14th, 2018 by valerie

Lange hatte ich mich gefragt, warum mein Kameruner Bekannter überall mit seiner Mitarbeiter ID-Karte in einer Klarsichthülle um den Hals hängend, überall rumlief. Er war Ingenieur bei Siemens und hatte dort eine leitende Position inne. Für mich war dies nichts anderes als reine Angeberei, daher stellte ich mich die Frage, wie niedrig  sein Selbstwertgefühl eigentlich sein müsste, um auf solchen Maßnahmen zurückgreifen.

Mit dem Statement von Christian Lindner am 69. Bundesparteitag der FDP wonach man beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden könne, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestelle, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien sei oder ein sich eigentlich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer…. habe ich nun verstanden, dass es sich bei der um seinen Hals stets hängenden Mitarbeiter ID-Karte weniger um Angeberei, als viel mehr um eine Methode handelte, sich von allen anderen Ausländern, sei es beim Bäcker, beim Arzt, im Supermarkt etc…,  abzugrenzen. Er wollte als der bessere Ausländer wahrgenommen werden.

Kurzum wenn es so ist, dass es sich um eine reale Situation handelt, die ein Zuwanderer dem Herrn Lindner geschildert haben soll, dann wäre der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien gut beraten seine Mitarbeiter ID-Karte in einer Klarsichthülle stets um den Hals zu tragen.  Damit der „Bäcker“in Zukunft genau weiß mit welcher Kategorie an Ausländer er es zu tun hat.

 

Sparen in Afrika

Posted in africa, economic policy, Entwicklungspolitik, german post, Sub-Saharan Africa, worth reading on Oktober 30th, 2013 by valerie

Ist langfristiges Denken angeboren? Wenn ja wie kann man es sich eineignen?

Mancher Stereotypen zur Folge, ist der Schwarz Afrikaner unfähig über den Tag hinaus zu denken.Wenn tatsächlich so wäre, würde, dies Aufschluss auf die immerwährende Armut  des Schwarzen Kontinents geben?

Fakt ist wer langfristig denkt, ist besser für die Zukunft aufgestellt. Wer seine Lebensbedingung auf Dauer verbessern möchte, muss auch bereit sein, Vorkehrungen dafür zu treffen. Bei einer Volkswirtschaft geschieht dies beispielsweise unter anderem durch Konsumverzicht durch Sparen zu Gunsten der Kapitalbildung.

„Lebe in Hier und Jetzt.“
Ein gängiges Sprichwort bei den Bantu rät dazu sich nicht heute um die Probleme des morgigen Tags Gedanken zu machen, denn der morgige Tag durchaus in der Lage sein wird seine Probleme selbst zu lösen.  Viele nehmen diese Weisheit grundsätzlich wortwörtlich. Dies ist dann zum Beispiel der Fall, wenn viele Familien nach Erhalt ihres Lohns an den darauffolgenden Tagen in Saus und Braus leben wissend, dass das Geld so unmöglich für den ganzen Monat reichen kann. Aber ihnen ist es lieber es sich für kurze Zeit richtig gut gehen zu lassen und dafür in der letzten Monatshälfte zu hungern und auf ein Wunder hoffen. Anstatt sich das Geld über den Monat vernünftig einzuteilen indem man nicht über seine Verhältnisse in der ersten Monatshälfte lebt und vielleicht auch den Versuch zum Sparen wagen.

Die niedrige Lebenserwartung beeinflusst das Sparverhalten

Man möchte lieber in Hier und Jetzt leben. Man möchte lieber für die kurze Zeit in der man sich selbst auf der Erde aufhalten darf intensiv leben und nicht auf die Zukunft setzen, die man mit größer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben wird. Während  die Menschen in Europa und Nordamerika durchschnittlich 78 Jahre und in Nordafrika immerhin 68 Jahre alt werden, verzeichnet subsahara Afrika mit 50 Jahren, die niedrigste Lebenserwartung weltweit.

Aussorgen für die Zeit danach

Auch den Entscheidungsträger mangelt es an Visionen. Dies wird an ihr rücksichtsloses Verhalten der Veruntreuung und Unterschlagung beobachtet. Die Republik Kamerun zum Beispiel, hat im Jahr 2006 ein erbitterter Kampf gegen die Korruption unternommen. Seitdem wurden zahlreiche höhere Beamten unter anderem Ministern, Staatssekretäre und Vorstände Regierungsnahen Unternehmen wegen Veruntreuung und Unterschlagung hinter Gitter gebracht. Die von ihnen unterschlagenen Gelder belaufen sich etwa auf 215 Milliarden (FcFA) sprich 140 Millionen Euro, die zum größten Teil in ausländischen Banken schlummern. Da die Amtsdauer von der Laune des Präsidenten abhängt, werden die Ämter dafür missbraucht um schnell für das eigene Leben auszusorgen. So wird das dem Amt zur Verfügung gestellte Budget nicht in die Realisierung der  mit ihm zusammenhängenden Projekte Investiert.

Ist Afrika aus Mangel an binnen Ersparnisse und aufgrund der Unterschlagung-Mentalität der Entscheidungsträger deshalb zur ewigen Armut verurteilt?

Durch das Fehlen an Ersparnisse und die vermehrte Unterschlagungen, bleiben die Investitionen aus, die nötig für die Hebung des Lebenstandard und Voraussetzung für ein langes Leben sind. Ein Teufelskreis dessen Überwindung Hilfe vom Außen erfordert. Jedoch weniger wie bisher in Form einer Entwicklungshilfe als vielmehr in Form von ausländischen direkt Investitionen. Gegenwärtig fließt nur 1 Prozent der weltweit getätigten ausländischen Direktinvestitionen nach Afrika. Dabei ist Afrika mit einem immensen Potential ausgestattet.  Mit 3025,8 Hektar als zweitgrößte Kontinent der Erde nach Asien fungierend, beträgt sein Anteil an globale Waldfläche 17 Prozent, wovon 21 Prozent des Bodens Ackerboden ist, was die Landwirtschaft begünstigt. Darüberhinaus beherbergt der Schwarze Kontinent mit mehr als eine Milliarde Menschen, 15 Prozent der Weltbevölkerung und stellt somit einen riesigen Markt dar. Weiterhin kann der Kontinent obgleich ungleichmäßig verteilt, immensen Rohstoffvorkommen  vorweisen, was seine Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen sollte. Warum bleiben denn diese, von wenigen Ausnahmen abgesehen aus? 

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Afrika deine Gesundheitsinfrastruktur

Posted in africa, economic policy, Entwicklungspolitik, german post, Sub-Saharan Africa, worth reading on Oktober 28th, 2013 by valerie

Es ist ein Tag wie jeder andere im Leben meiner Nichte Alima. An diesem Tag im Mai 2004, steht sie wie gewohnt um sechs Uhr früh auf, frühstückt und macht sich auf dem Weg zur Schule. Alima ist 19 Jahre alt, besucht die „Terminale“ (die Abiturklasse im kamerunischen Schulsystem) und bereitet sich auf die bevorstehende Abiturprüfung vor.

Vor einem Jahr war ihre alleinerziehende Mutter, meine Cousine gestorben. Sie hatte nur noch ihren jüngeren Bruder mit dem sie zusammenlebte. Um 16 Uhr ist gewöhnlich Unterrichtsschluss. Sie nimmt einen Umweg zu Fuß zum Markt und kauft dort noch für das Abendessen ein. Gegen 18 Uhr  kommt sie endlich zuhause an. Sie legt ihre Schultasche auf der neben der Tür stehenden Bank, schreitet zur Kochnische vor, stellt dort die Einkaufstasche hin. Sie zieht danach ihre Schuhe aus und schiebt sie unter das Bett. Dann streckt sie die Hand zu der  als Wäscheschrank dienenden und an der Decke hängende Wäscheleine, nimmt ein Kleid, zieht ihre Schuluniform aus, hängt sie auf einen Kleiderbügel und danach am an der Wand befestigten Nagel auf. Im Hof gibt es einen Brunnen, dorthin begibt sie sich mit einem leeren zwanzig Liter Kanister. Sie zieht viermal an dem am Seil hängenden fünf Liter Eimer und füllt mithilfe eines Trichters den Kanister auf. Jetzt kann sie mit dem Kochen beginnen. Zum Kochen benutzt sie einen Petroleumkocher. Sie fängt mit den Kochbananen an. Nachdem diese gar sind, kocht sie Erdnusssoße mit geräucherten Makrelen. Bis sie mit dem Kochen fertig ist, ist  es etwa 19 Uhr. Der Bruder, der eine Ausbildung zum Mechaniker absolviert  und mit dem sie das Zimmer teilt kommt wie immer pünktlich zum Abendessen. Nach dem Abendmahl wäscht der Bruder das Geschirr, während Alima sich verabschiedet. Sie muss noch zu ihrer Lerngruppe dazu stoßen.

Kurz vor Mitternacht verabschiedet sie sich von der Lerngruppe und stellt sich an den Straßenrand um ein Mototaxi (Motorrad) anzuhalten. Dieses hat bereits mit vier Passagieren zwar die  maximale Kapazität erreicht. Aber in Kamerun achtet keiner darauf. Irgendwie passen hier viel mehr Leute auf ein Mototaxi  als dieses imstande ist auszuhalten. Alima steigt als fünfte Passagierin auf und sitzt ganz hinten. Mbalmayo ist eigentlich eine  sehr kleine Stadt. Eine Stadt in der man  unter normalen Bedingungen mit einem Fahrzeug weniger als eine Viertelstunde brauchen würde, um von einem Ende zum anderen zu gelangen. Aber der desolate Zustand der Straßen lässt solch eine Reise eine Ewigkeit dauern.  Überall Schlaglöcher, die aufgrund deren Tiefe eher an Gräben erinnern. Nur an wenigen Stellen erkennt man, dass die Straßen irgendwann einmal geteert gewesen sein müssten. Bemüht den Schlaglöchern  auszuweichen, geriet der Mototaximan (Fahrer des Mototaxis) auf die falsche Straßenseite und bemerkte zu spät den rasenden LKW, der ihnen plötzlich entgegen kam. Der LKW-Fahrer konnte dem Mototaxi nicht mehr ausweichen. Er rammte es mit voller Wucht.  Vier der fünf Passagiere des Mototaxis waren sofort tot. Meine Nichte überlebte dem Aufprall mit einem abgetrennten Bein. Noch unter Schock, griff sie sofort nach ihrem Handy und rief ihren Bruder an.  Dieser stürzte  sofort los und lief so schnell er konnte zu dem etwa fünf Hundert Metern von ihrer Wohnstraße entfernt liegenden Unfallort.

Es war herzzerreißend, sie lag da mit einem abgerissenen Bein in ihrer Blutlache. Nach einem Moment der Desorientierung, fasste er sich wieder zusammen, erkündigte sich, ob es jemand unter den Schaulustigen gab, der ein Auto besaß und bereit wäre ihm zu helfen seine Schwester ins Krankenhaus zu fahren. Es fand sich schnell jemand. Aber das einzige von den Chinesen in Mbalmayo erbaute Krankenhaus war nicht für „so einen Fall“ ausgerüstet und verweigerte die Aufnahme mit dem Hinweis, sie sollen es bitte mit ihr in der etwa hundert Kilometer von Mbalmayo entfernt liegenden Hauptstadt versuchen. Der Fahrer ein Familienvater war entschlossen zu helfen und willigte ein auch diesen Weg nach Jaunde auf sich zu nehmen. Bevor sie die Stadt verlassen konnten ging ihnen jedoch das Benzin aus. Es war bereits 2 Uhr früh. Die einzige Tankstelle im Quartier New-Town, der letzte Stadtteil von Mbalmayo auf dem Weg nach Jaunde  hatte bereits geschlossen und ohne Benzin konnte das Auto nicht mehr fahren. Der Autofahrer griff nach seinem Kanister im Kofferraum und rannte während er dabei versuchte ein Autotaxi anzuhalten. Er wollte zu einem Freund in die Stadt von dem er wusste, dass er mit Benzin zuhause schwarz handelte. Zurückgeblieben, fragte die mit Angst überrollte und frierende Alima ihren jüngeren Bruder immer wieder, ob sie nun sterben müsse, während das Blut unaufhörlich, wie ein kleiner Bach floss. Ihr Bruder der all seine Mut zusammen nehmen musste, um seinen Schmerz nicht explodieren zu lassen, antwortete mit tränenden Augen:  „Nein Schwesterherz du wirst nicht sterben, wir sind bald in Jaunde, da gibt es gute Ärzte, die sich um dich kümmern werden.“ Nach einer Weile, die allen Beteiligten als Ewigkeit vorkam, kehrte tatsächlich der Autofahrer mit dem vollen fünf Liter Kanister zurück. Zitternd füllte er es in den Tank und startete wieder los.  Zu dieser Zeit war die Straße bereits Menschenseelen-leer. Er konnte ohne Verkehrsbehinderung fahren insofern fuhr er so schnell er konnte. Während der Fahrt versuchte der Familienvater den beiden Mut zu zusprechen, er selbst konnte bei dem Anblick meiner Nichte die Tränen nicht unterdrücken.

Als sie gegen vier Uhr Morgens das Hopital Central von Jaunde endlich erreichten, war die Erleichterung groß die langersehnte Hilfe zu bekommen, aber Alima verabschiedete sich von dem Leben noch an der Rezeption während ihr Bruder verzweifelt versuchte die Ärzte davon zu überzeugen sie aufzunehmen, obwohl er das verlangte Geld für die Behandlung nicht hatte.

 

Vom Zeitpunkt des Unfalls lebte sie noch  etwa vier Stunden. Vier kostbare Stunden in denen sie gerettet hätte werden können, wenn eine adäquate Gesundheitsinfrastruktur vorhanden gewesen wäre. Sprich: – Technologisch gut ausgestattete Krankenhäuser und Gesundheitsämter –  Krankenwagen, – Qualifiziertes und effizientes ärztliches Personal – Ein funktionierendes Versicherungssystem. Vermutlich wäre es wiederum nicht zu diesem tragischen Unfall gekommen, wenn die Stadt mit einer sicheren Verkehrsinfrastruktur ausgestattet gewesen wäre. Wenn man bedenkt, dass Gesundheit die Voraussetzung für eine gut funktionierende Volkswirtschaft ist, dann stellt sich die Frage, warum die Entscheidungsträger der meisten afrikanischen Staaten es bisher versäumt haben kräftig in Gesundheit zu investieren, um eine effiziente Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können. Es herrschen nach wie vor die prekären Gesundheitsbedingungen, wie zur kolonialen Zeit, was sich unweigerlich in die Lebenserwartung wiederspiegelt, die für Afrika südlich der Sahara mit einem Durchschnitt von 50 Jahre vergleichsweise sehr niedrig ausfällt. Nicht nur viele Kameruner, sondern auch viele Afrikaner sehen sich tagtäglich mit demselben Schicksal konfrontiert wie meine Nichte. Ein Ende ist nicht in Sicht. Jeden Tag müssen Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig die nötige medizinische Versorgung erhalten oder weil zu dem Zeitpunkt an dem sie die medizinische Versorgung dringend benötigen, nicht über genügend Ersparnisse verfügen um diese auch zu finanzieren. Dies führt dazu, dass man heilbare Krankheiten mit sich herumschleppt bis man schließlich daran stirbt. Diese desolate Situation wäre viel schlimmer gäbe da nicht Leute wie Beispielsweise die Freiwilligen bei Rainbow Garden Villagedie sich in Afrika mit Herz und Blut engagieren und dazu beitragen, dass die Menschen, die sich selbst nicht helfen können in ihrem Elend nicht alleine gelassen werden.

Pflege eines Patienten

Pflege eines Patienten

 

Aber ein Staat kann nicht allein auf Fremdhilfe für seine Bürger bauen. Diese Hilfe ist komplementärer Natur und darf nicht die Entscheidungsträger dazu verleiten sich ihrer Pflicht zu entziehen. Wie soll es den Volkswirtschaften gut gehen, wenn die Menschen, die sie tragen sollen ein gesundheitliches Handicap haben? So wenig ein kranker Körper Leistung erbringen kann, sei es physisch oder psychisch, genauso wenig kann eine Volkswirtschaft ohne Gewährleistung der Gesundheitsversorgung insgesamt leistungsfähig sein. Ein effizientes Gesundheitssystem muss nicht mehr erfunden werden. Es muss lediglich kopiert werden. Daher ist es rätselhaft warum es so lange auf sich warten lässt? Liegt diese Untätigkeit in der Unfähigkeit (unqualifizierte Leute haben die Entscheidungsgewalt) oder  wird  dies schlichtweg dem Egoismus geschuldet? (Entscheidungsträger sind persönlich nicht von der prekären Gesundheitsversorgung betroffen, daher unternehmen sie nichts für ihre Verbesserung).

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