Lindners Bäckerei-Anekdote

Posted in Entwicklungspolitik, german post, Innenpolitik, Integration, Intergrationspolitik, off topic on Mai 14th, 2018 by valerie

Lange hatte ich mich gefragt, warum mein Kameruner Bekannter überall mit seiner Mitarbeiter ID-Karte in einer Klarsichthülle um den Hals hängend, überall rumlief. Er war Ingenieur bei Siemens und hatte dort eine leitende Position inne. Für mich war dies nichts anderes als reine Angeberei, daher stellte ich mich die Frage, wie niedrig  sein Selbstwertgefühl eigentlich sein müsste, um auf solchen Maßnahmen zurückgreifen.

Mit dem Statement von Christian Lindner am 69. Bundesparteitag der FDP wonach man beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden könne, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestelle, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien sei oder ein sich eigentlich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer…. habe ich nun verstanden, dass es sich bei der um seinen Hals stets hängenden Mitarbeiter ID-Karte weniger um Angeberei, als viel mehr um eine Methode handelte, sich von allen anderen Ausländern, sei es beim Bäcker, beim Arzt, im Supermarkt etc…,  abzugrenzen. Er wollte als der bessere Ausländer wahrgenommen werden.

Kurzum wenn es so ist, dass es sich um eine reale Situation handelt, die ein Zuwanderer dem Herrn Lindner geschildert haben soll, dann wäre der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien gut beraten seine Mitarbeiter ID-Karte in einer Klarsichthülle stets um den Hals zu tragen.  Damit der „Bäcker“in Zukunft genau weiß mit welcher Kategorie an Ausländer er es zu tun hat.

 

Integration und Erziehung

Posted in Intergrationspolitik, migration, worth reading on Januar 25th, 2013 by valerie

Mein Spagat zwischen Mittelalter und dem 21. Jahrhundert

Wenn Erziehung kontextabhängig ist und unter Erziehen die Weitergabe dessen verstanden wird,  was man selber mit auf seinen Weg bekommen hat, dann stellen sich für mich als Migrantin mitten im deutschen Kulturkreis folgende Fragen:

  • Wie schaffe ich es mein Kind in einem Kulturkontext zu erziehen in welchem ich selber nicht aufgewachsen bin und deren Konturen ich deshalb selbst noch nicht ganz durchblicke?
  • Wie schaffe ich es vor diesem Hintergrund mein Kind dazu zu bringen, den an es von der deutschen Gesellschaft gesetzten Erwartungen gerecht zu werden, wenn die Erziehungsnormen und die Erziehungsmethoden mir fremd sind?
  • Also wie kann ich meinem Kind durch Erziehung beibringen, wie es sich in der deutschen Gemeinschaft, in der es aufwächst, zu Recht findet, wenn ich selber noch nicht einmal weiß, wie ich mich in der deutschen Gemeinschaft zu Recht finde?
  • Wo führt es hin wenn ein Ignorant versucht einen anderen Ignorant aufzuklären? Ein Sprichwort sagt folgendes: „Führt ein Blinder einen anderen Blinder, landen sie in einem Graben.“ Bin ich deshalb verurteilt bei der Erziehung zu versagen?

Wenn man als Erwachsene das Elternhaus verlässt, ist man zwar noch lange kein fertiges Produkt, denn das Leben und die Gesellschaft uns weiter bis zum Ableben erziehen. Dennoch hat man ein Grundfundament bekommen, aus dem man später bei der Erziehung seiner eigenen Kinder schöpft. Das Grundfundament, das ich mit auf meinen Weg bekommen habe, beinhaltete hauptsächlich die Werte wie beispielsweise Disziplin, Ordnung, Toleranz, Respekt vor den Älteren, Bescheidenheit, Selbstlosigkeit, Nächstenliebe, Hilfebereitschaft und Selbständigkeit. Ich hatte jedoch nicht nur diese Werte verinnerlicht, sondern auch die Erziehungsmethoden, die zu dieser Verinnerlichung führten. Diesen sahen vor, dass alle Mittel gut waren, die dazu halfen aus Kinder würdige Mitglieder der Gemeinschaft zu machen. Dass mir die genannten Werte heilig sind, steht außerhalb der Diskussion. Die Frage ist eher wie ich meinen Kindern diese Werte in einer Gesellschaft beibringe,  für die bei der Erziehung nicht alle Mittel recht sind.

Ich wusste, dass Erziehung nur durch Härte und große Distanz zu den Kindern  möglich ist, bis ich nach Deutschland kam. Ich war überzeugt davon, dass Erziehung jede Art von Strafe, Demütigungen und Folter zuließ.

Diese Erziehungsmethoden wurden nicht nur privat im elterlichen Haus ausgeführt, sondern auch in der Schule. Dort waren sie noch erbarmungsloser. Wurde man beim Schwätzen erwischt, benutzte man Schimpfwörter, vergaß man seine Hausaufgaben, erzielte man eine schlechte Note, prügelte man sich, musste man erbarmunglose Strafen über sich ergehen lassen. Je nachdem wie der Lehrer gelaunt war, musste man mal eine Strecke von etwa fünf hundert Meter im Schulhof in Knien absolvieren, auf der zuvor extra kleine Kieselsteine zerstreut wurden, mal musste man stundenlang mit ausgebreiteten Armen knien auf denen jeweils ein Stein von ungefähr fünf hundert Gramm gelegt wurde. Als wäre dies noch nicht Strafe genug, musste man obendrauf darauf achten, dass die Armen gerade blieben. Sank ein Arm, rief die Peitsche wieder zur Ordnung. Es spielte keine Rolle, ob die Tränen den Wangen herunter kullerten, ob der Rotz aus der Nase in den Mund hinein lief, ob der Urin langsam durch die Beine floss und der nicht mehr zu unterdrückende Stuhlgang eintrat. Es gab keine Gnade. Solange die für die Strafe festgelegte Stundenanzahl noch nicht verbüßt war, konnte man Tod umfallen und es hätte den Lehrer nicht gejuckt. Mal war einfach nur die körperliche Züchtigung dran.

Giorgio Conrad Strafe

Alles war normal, alles Gang und Gäbe. Alles ein Liebesbeweis. Denn wer liebt der bestraft und züchtigt. Und je härter die Strafe desto tiefer und großer die Liebe. Um diese Erziehungsmethoden zu rechtfertigen, nahm man uns sogar Gott als Vorbild, der seinen Sohn Jesus so sehr geliebt hatte, dass er ihn kreuzigen ließ, obwohl er die Macht dazu gehabt hätte dies zu verhindern.  Ich wusste insofern, dass ich meine Kinder lieben werde, also werde ich sie hart bestrafen müssen. So jedenfalls ist es Brauch bei mir Zuhause. Es gab keine Beschwerden, es wurde nie widersprochen, es wurde nicht diskutiert. Es wurde lediglich gehorcht. Bei mir Zuhause hatten Kinder keinerlei Rechte. Dafür verkörperten die Erwachsene das Recht und das Gesetz gleichzeitig und hatten damit bei der Erziehung einen großen Spielraum. Sie wussten immer, was für ihre Kinder gut war, sie wussten immer wie es ihren Kindern ging, obwohl sie sich nie danach erkündigten.

Nicht Kuscheln, Schmusen und Geschenke, sondern Prügel, Peitsche, Folter und harte Strafen galten als Liebesbeweis schlechthin.

Dann strandete ich in Deutschland, wo ganz andere Gesetze herrschen. Im Unterschied zu meinem Zuhause verkörpern hier nicht die Eltern das Recht und das Gesetz, was die Erziehung angeht, sondern die Kinder.  Ehe ich mich versah war ich selbst bereits Mutter. Mutter zwei kleiner Kinder. Sie darf ich nun auf das Leben gemäß der deutschen Gemeinschaft vorbereiten. Aber immer wieder  finde ich mich in Situationen verstrickt, in denen ich das Gefühl habe, die Rollen hätten sich vertauscht. Wer erzieht hier eigentlich wen?

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Heimat und Staatsbürgerschaft

Posted in german post, Integration, Intergrationspolitik, migration, politics on Januar 23rd, 2013 by valerie

Bedingen diesen Beiden Begriffe einander?

Am 03. März 2013 findet die Wahl des berufsmäßigen Ersten Bürgermeisters bzw. der berufsmäßigen ersten Bürgermeisterin der Stadt Unterschleißheim statt.

Im Rahmen ihrer Wahlkampagne, lud Spitzenkandidatin der Christlich-Soziale Union (CSU), Brigitte Weinzierl, die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Eigner ein, dem Jahresempfang der CSU der Stadt Unterschleißheim beizuwohnen.

Noch bevor die mittlerweile auch als mögliche Nachfolgerin des gegenwärtigen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer gehandelte Bundesministerin das Wort übergeben wurde, bekam die aus Burghausen stammende Brigitte Weinzierl das Mikrofon.

Die Bürgermeisterin „in spe“ hielt eine kurze aber für mich viel bedeutende und inspirierende Grundsatzrede.

Dem Wahlprogramm schickte sie eine Stellungnahme über ihre persönliche Bedeutung des Begriffs Heimat voraus, der mit dem Slogan „Heimatabend“ unter dem Motto des diesjährigen Jahresempfangs  stand.

Sie sprach von ihrer Kindheit in Burghausen und darüber was davon übrig geblieben ist nachdem sie vor 33 Jahren nach Unterschleißheim zog und warum Unterschleißheim nunmehr ihre Heimat ist. Sie stellte Heimat unter für mich ganz neuem Aspekt dar.

Bisher hatte Heimat für mich nur im Zusammenhang mit der Staatsbürgerschaft eine Bedeutung. Heimat war für mich mit der Herkunft unzertrennlich.

Wenn ich mir aber die Brille der Frau Weinzierl aufsetzte, bekommt der Begriff Heimat plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Um mit den Wörter von Frau Weinzierl zu sprechen ist Heimat  nichts anderes als der Ort an dem man sich Zuhause fühlt, wo man aufgenommen wird, wo Mann Bindungen und Beziehungen aufbaut, pflegt und aufrecht erhält, ein Ort der uns am Herzen liegt und für den man sich deshalb bedingungslos engagieren möchte.

Wenn hohe Kriminalität vorhanden, damit mehr Sicherheit herrscht

wenn  unterentwickelt, damit Entwicklung vorangetrieben wird

wenn eine Gefahr droht, dazu beitragen dagegen anzukämpfen

wenn er aber entwickelt ist, für Nachhaltigkeit zu sorgen

wenn Sicherheit herrscht, dass diese Sicherheit nachhaltig bleibt

Diese Auslegung ließ mich meine bisherige Wahrnehmung des Begriffs Heimat in Frage stellen.

Bis jetzt habe ich Heimat im Bezug auf die Staatsbürgerschaft definiert. So abgekoppelt betrachtet, stimme ich mit der Frau Weinzierl überein, dass Heimat, da ist wo man Beziehungen aufgebaut hat und lebt, wo man Leute kennt, die einem über den Weg laufen, wo man sich aufgenommen fühlt, wo man gerne ist und wo man sich gerne engagiert.

Sogesehen hat Heimat also  weniger mit der Staatsbürgerschaft als viel mehr mit der  Integration zu tun.

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Cameroun – Corruption et économie

Posted in africa, Democracy, economic policy, french post, Innenpolitik, Intergrationspolitik, Wirtschaftspolitik, worth reading on Dezember 1st, 2011 by valerie

L‘ Opération épervier serait-il entrain de porter des fruits?

Un regard sur l’indice de perception de la corruption publié par Transparency International pour l’année 2011 en fait preuve. Les efforts du gouvernement Camerounais sur sa lutte acharnée contre la corruption plus connue sous le pseudonyme  „Opération épervier“, sont effectivement entrain de porter des fruits.

Alors que  le Cameroun occupait le 146 ème rang sur les indices de 2009 et 2010 avec 2,2 respectivement sur l’échelle de corruption de cette agence non gouvernementale, ce dernier se retrouve classé sur le 134 ème rang parmis les 183 pays observés en 2011 avec 2,5  sur l‘ échelle de corruption. Donc un bond remarquable vers la transparence. Ce qui sous entend que la diminution de la corruption au Cameroun est sur la bonne voie.

Malgré ce progrès,  le Cameroun demeure néanmoins un pays  très corrumpu et jouit par conséquent d‘ une très mauvaise réputation sur le point de vue international. Le dégré de transparence étant entre autres l’un des critères essentiels suivant lesquels les bailleurs de fond étrangers, orientent leur décision d’investir dans un pays ou non, le Cameroun se trouve donc être non attaractif non seulement pour les bailleurs de fond étrangers mais aussi pour les touristes.  Ce qui est néfaste pour son développement économique.

La lutte contre la corruption devrait donc être non seulement plus virulente mais aussi et surtout partie intégrante du plan d’action pour la relance économique du pays.

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„Krieg“ um die Ressourcen in Westafrika – Rohstoffe gegen Entwicklungshilfe?

Posted in africa, economic policy, Entwicklungspolitik, german post, Intergrationspolitik, international relations, politics, Sub-Saharan Africa, Wirtschaftspolitik, worth reading on Juni 27th, 2010 by valerie

Einseitige Abhängigkeit ist der erste Feind der Freiheit!

Einseitige Abhängigkeit ist Killer des Selbstbewusstseins!

Keine Entwicklungshilfe ohne Rohstoffsicherung!

Hat die Europäische Union bisher  Umschuldungen, Krediten, Schuldenerlasse und Entwicklungshilfe von Auflagen wie Demokratisierung, Rechtstaatlichkeit, Marktwirtschaft, Kampf gegen Korruption und gute Regierungsführung abhängig gemacht und dadurch – obwohl der Souveränität beeinträchtigend – die Modernisierung in Afrika eingeleitet. So möchte sie sich in Zukunft dieser Mittel, allen voran der Entwicklungshilfe, für ihre Rohstoffsicherung in Afrika bedienen. Tatsächlich plant sie die  Entwicklungshilfe  als Druckmittel  einzusetzen,  um sich einen besseren Zugang zum afrikanischen  Rohstoffmarkt zu sichern,  der gegenwärtig stark von China umworben und dominiert wird.

Und nach wie vor herrscht eine Sicht der Über- und Unterordnung vor.

Dabei verlangt eine echte Partnerschaft, wie dies der kürzlich aus dem Amt getretene Bundespräsident Horst Köhler im Gespräch mit der Zeitschrift für internationale Politik bereits im Jahre 2006 über das Thema Zukunftskontinent Afrika betonte, gleiche Augenhöhe.

Während das  europäische Lager immer noch glaubt, die Entwicklungshilfe – die immerhin einen bedeutenden Anteil der Einnahmen mancher afrikanischen Länder  ausmacht – instrumentalisieren zu müssen, um sich so Rohstoffquellen in Afrika sichern und somit auch den Vorsprung Chinas auf dem Schwarzen Kontinent abbauen zu können, behandelt China Afrika als  ebenbürtigen Handelspartner und setzt bei seinen Handelsbeziehungen dementsprechend nicht primär auf Konditionalität, sondern auf wirtschaftlich faires Instrumentarium, wie zum Beispeil günstige Kredite, Schuldenerlasse, Investitionen, Lockerungen der Zollbestimmungen und Nichteinmischung in den inneren Angelegenheiten.

Was die EU zu übersehen  scheint, ist dass mit dem aktuellen Wettlauf um afrikanische Ressourcen – da nicht nur China, sondern auch andere Akteure, wie zum Beispiel Russland, die USA, Brasilien, Saudi-Arabien (um nur diese zu nennen) genauso in der Rohstoffsicherung in Afrika involviert sind  – der Kontinent über eine noch nie da gewesene günstige Ausgangsposition aufgrund aus dem Vorhandensein verschiedener Haldelspartnern sich ergebende Substitutionsmöglichkeit verfügt und somit nicht mehr primär und ausschließlich auf die Europäische Entwicklungshilfe angewiesen ist.

Dieser Trend wird sich wegen der Verknappung der Energie nicht nur fortsetzen,  sondern auch verschärfen und könnte sogar die Ursache für zukünftige Konflikte  sein, wie dies  der  Global Trends 2025 transformed World vorausschaut : “perception of energy scarcity will drive countries to take action to assure their future access to energy supplies. In the worse case. This could result in interstate conflicts if government Leaders deem assured access to ernergy ressources for example, to essential for maintaining domestic stability and survival of their Regime.”

Der Rohstoffreichtum des Schwarzen Kontinents, war schon in Zeiten der Sklaverei und danach in Zeiten des Kolonialismus das Hauptobjekt der Begierde der daran beteiligten Akteure. Während diese Akteure durchaus daraus Profite erzielten und heute noch erzielen, hat Afrika trotz der hohen Begehrlichkeit dieses Reichtums und sein daraus resultierende Attraktivität auf dem Weltmarkt, es bis dato nicht geschafft diesen Rohstoff- und Ressourcenreichtum in ein „materielles“, in Form einer reellen Wirtschaft umzuwandeln und so die Chance zu steigern, diese Angewiesenheit auf Entwicklungshilfe maßgeblich zu reduzieren. So bleibt der Schwarze Kontinent auf dem Verhandlungstisch erpressbar, denn der Hahn kann jeder Zeit zugedreht werden.

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