Verwegene Träume!

Posted in german post, Jagd nach Wörter, off topic on Juli 5th, 2018 by valerie

Wenn ich eine Zeitung, eine Zeitschrift oder ein Buch aufschlage, dann geschieht dies nicht nur um meinen Hunger auf Informationen zu stillen bzw. um in eine andere Welt einzutauchen. Dies wird öfters mit der Hoffnung verbunden neue mir bis dahin verborgen gebliebenen Wörter zu entdecken.

Stöße ich bei meiner Lektüre auf bis dahin von mir noch nicht gekannten und von mir als wunderbar erachtetes Wort, erfüllt mich dies einfach nur mit Glück.

So bin ich heute bei der Lektüre des Zeit Magazins im Zusammenhang mit der Entwicklung Afrikas auf das Wort VERWEGEN gestoßen. Nachdem ich die Übersetzung absolviert hatte , ließ ich mir das Wort nochmal auf der Zunge zergehen, eher ich meine Lektüre fortsetzte.

Es stand im folgenden Satz:“…Aber unsere Träume können gar nicht verwegen genug sein- wenn sie uns keine Angst machen, träumen wir noch zu zaghaft.“

Verwegen: Audacieux, téméraire.

Also Verwegen ist ein wunderschönes Wort, das viel Charakter besitzt. Was für ein Glück es nun in meinen Wortschatz zu haben.

 

 

Digitalisierung: Abschaffung des Menschen oder der Weg zurück zum Garten Eden?

Posted in off topic on Juni 28th, 2018 by valerie

Laut der Schöpfungsgeschichte (Genesis), Schuf Gott zunächst den Mann (Adam). Er stellte jedoch bald fest, dass Adam mit sich alleine nichts anzufangen wusste. Aus diesem Grund entschied er sich dazu ihm eine Gefährtin zur Seite zu stellen. Er schuf daher aus der entnommenen Rippe Adams die Frau (Eva).

Gott stellte Adam und Eva den Garten Eden zur Verfügung. Mit einer Ausnahme dürften sie über den Garten Eden nach Gutdünken verfügen.

Der Garten Eden beherbergte den Baum des Lebens, den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Dieser Baum war der einzige Baum im Garten Eden dessen Früchte Adam und Eva nicht essen dürften. An diesen Verbot hielten sich Adam und Eva bis die Schlange eines Tages erschien.

Der Teufel, Gottes Erzfeind erschien als Schlange und überlistete Adam und Eva dessen Machtgier größer war als die Gehorsamkeit gegenüber ihrem Schöpfer. Sie aßen schließlich von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse.

Gott zog daraufhin die Konsequenz und vertrieb Adam und Eva vom Garten Eden. Fortan war Adam verdammt das „Brot“nur noch durch mühselige und harte Arbeit zu erwerben.

Hier greift die Digitalisierung und sein Potential eine Rückkehr zum Garten Eden zu ermöglichen.

Das Digitalisierungzeitalter in welchem die Maschinen auch in Form von Roboter befähigt werden beinahe in jedem Arbeits- und Lebensbereich mehr und mehr den Mensch zu ersetzen bringt den Mensch in den Garten Eden zurück. Eine Rückkehr in einen luxuriösen sehr gut bestückter Garten in welchem der Mensch genauso wenig wie Adam und Eva vor der Erbsünde auf Arbeit angewiesen sind um sich zu ernähren.

Dank der Digitalisierung wird es dann ähnlich wie in dem Film: „wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ soweit kommen, dass man nur an ein bestimmtes Gericht zu denken braucht und es kommt einem automatisch zugeflogen.

So gesehen wird die Digitalisierung den Mensch nicht abschaffen, sondern in den Garten Eden zurückführen.

Die entscheidende Frage an dieser Stelle jedoch ist, ob diese Rückkehr erstrebenswert ist und was sie mit dem Mensch anstellen wird sobald sie erreicht ist.

 

Lindners Bäckerei-Anekdote

Posted in Entwicklungspolitik, german post, Innenpolitik, Integration, Intergrationspolitik, off topic on Mai 14th, 2018 by valerie

Lange hatte ich mich gefragt, warum mein Kameruner Bekannter überall mit seiner Mitarbeiter ID-Karte in einer Klarsichthülle um den Hals hängend, überall rumlief. Er war Ingenieur bei Siemens und hatte dort eine leitende Position inne. Für mich war dies nichts anderes als reine Angeberei, daher stellte ich mich die Frage, wie niedrig  sein Selbstwertgefühl eigentlich sein müsste, um auf solchen Maßnahmen zurückgreifen.

Mit dem Statement von Christian Lindner am 69. Bundesparteitag der FDP wonach man beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden könne, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestelle, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien sei oder ein sich eigentlich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer…. habe ich nun verstanden, dass es sich bei der um seinen Hals stets hängenden Mitarbeiter ID-Karte weniger um Angeberei, als viel mehr um eine Methode handelte, sich von allen anderen Ausländern, sei es beim Bäcker, beim Arzt, im Supermarkt etc…,  abzugrenzen. Er wollte als der bessere Ausländer wahrgenommen werden.

Kurzum wenn es so ist, dass es sich um eine reale Situation handelt, die ein Zuwanderer dem Herrn Lindner geschildert haben soll, dann wäre der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien gut beraten seine Mitarbeiter ID-Karte in einer Klarsichthülle stets um den Hals zu tragen.  Damit der „Bäcker“in Zukunft genau weiß mit welcher Kategorie an Ausländer er es zu tun hat.

 

Regenbogenkotze- Eine Erzählung aus Afrika

Posted in off topic, Wirtschaftspolitik on Oktober 15th, 2013 by valerie

Mutterspracheanalphabetismus

Immer dann wenn ich nach meiner Muttersprache gefragt wurde, nannte ich spontan Französisch. Irgendwann hinterfragte ich diese Aussage und suchte infolgedessen nach der eigentlichen Bedeutung des Wortes: Muttersprache. So entnahm ich dem Wörterbuch Duden, dass es sich bei der Muttersprache, um eine Sprache handelt, die ein Mensch als Kind erlernt hat. So gesehen habe ich vier Muttersprachen.

Mein Vater war Polygam. Er hatte insgesamt drei Ehefrauen, die von unterschiedlichen Stämme waren und sprachen dementsprechend auch unterschiedlichen Sprachen, so dass, wir, meine Geschwister und ich nicht nur Ewondo, die Sprache unseres Vaters, sondern auch die Sprachen unserer Mütter Bulu und Maka sprachen. Da es sich bei den Amtssprachen um Französisch und Englisch handelt, also die Sprachen der ehemaligen Kolonialherren, bestand mein Vater darauf, dass wir vor der Einschulung ausschließlich die einheimischen Sprachen sprachen. So dass man erst mit der Einschulung, spricht im Alter von sechs Jahre mit Französisch oder Englisch (je nachdem welche Schulform man wählte) in Berührung kam.  Da es keine schriftliche Form weder von Maka und Bulu noch von Ewondo gab, beherrschten wir diese Sprachen ausschließlich verbal. Mit Französisch erfuhren wir den schriftlichen Aspekt einer Sprache. Wir konnten endlich lesen und schreiben.  Dies führte zwangsläufig zur Verdrängung von den einheimischen Sprachen, die ohnehin im Gegensatz zu Französisch und Englisch weder im internationalen noch in nationalen Kontext offiziell als Sprachen eingestuft sind.  Aufgrund dieses fehlenden schriftlichen somit physischen Aspekts der Sprachen unseres Kulturkreises gleichermaßen wie der  fehlenden offizielle Anerkennung als solche, geht vieles von unserer Kultur verloren. Dies liegt, darin begründet, dass die Ältere Generation entweder keine Chance hatte die Sprache der Kolonialherren zu erlernen oder sich weigerten dies zu tun. Die Geschichte wird von dieser älteren Generation somit ausschließlich von Mund zu Mund weitergeben. Dadurch gehen kostbare Informationen verloren, was bei einer schriftlichen Übertragung nicht der Fall wäre. Doch was ist ein Volk ohne seine Geschichte, ohne seine Kultur?  Es ist vergleichbar mit einem unter der Amnesie leidenden Mensch, der seine Vergangenheit nicht schafft zu rekonstruieren, weil ihm Bruchteile davon abhanden gekommen sind und er sich infolgedessen nicht nur Fremd seines eigenen Selbst empfindet, sondern auch seines Umfelds. Ein Mensch ohne Identität eben.

Mit REGENBOGENKOTZE habe ich den Anfang gewagt, die Erinnerungen an die mir  auf Ewondo und Maka sowie Bulu über unsere Vergangenheit erzählten Geschichten festzuhalten. Nun bin ich Mutterspracheanalphabet, was Maka, Bulu und Ewondo angeht, aber es spielt keine Rolle in welcher Sprache ich sie festhalte, die Hauptsache ist, dass sie so nicht mehr verloren gehen werden und meine Kinder und Enkelkinder, die wiederum Maka, Bulu und Ewondo weder sprechen noch schreiben können, die Chance haben werden Afrika zu verstehen und vor allem zu verstehen woher sie kommen.

Ja es ist eine immense Bereicherung Fremdsprachen zusätzlich zu den Sprachen seines eigenen Kulturkreises zu beherrschen, aber wenn Fremdsprachen der Einheimischen Sprachen so vorgezogen werden, dass im eigenen Land ausschließlich Fremdsprachen als Amtsprachen zugelassen werden und keine einzige einheimische Sprache offiziell als Amtsprache gilt, dann ist das schlichtweg ein Armutszeugnis.

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Integration und Erziehung

Posted in off topic on Januar 29th, 2013 by valerie

„Langsam gehorchen ist nicht gehorchen.“

Obwohl ein Sohn noch einen höheren Stellenwert bei mir Zuhause genießt, sind die Frauen dankbar, wenn sie eine Tochter als Erstgeborene haben, denn anders als die Jungen fangen die Mädchen relativ früh an im Haushalt mit zu helfen und entlasten somit ihre Mütter. Diese Sicht der Sache konnte ich überhaupt nicht bestätigen, denn mein Sohn fing früh genug an freiwillig im Haushalt zu helfen und alle im Haushalt ihm zugewiesene Aufgaben erledigte er selbstverständlich. Bis er eingeschult wurde. So bat ich ihn einmal nach einem gemeinsamen Abendmahl mir beim Abräumen zur Hand zu gehen. Die Antwort war, dass er gerade keine Lust darauf hätte. Überrascht, schaute ich ihn sprachlos an, bevor ich entgegnete, dass ich nicht danach gefragt hätte, ob er gerade Lust darauf hätte oder nicht, sondern stattdessen ihn darum gebeten hatte. So gesehen müsste er alles stehen und liegen lassen und meiner Bitte sofort nachzukommen. Daraufhin sagte er laut, dass ich ihn nicht dazu zwingen könne, wenn er keine Lust hat, dann hat er keine Lust und dann muss er auch nicht. Diese Einstellung hatte ich der Leiterin des gerade an der Schule stattfindenden Selbstbehauptungskurses zu verdanken. Wie angepflanzt blieb ich zunächst mitten im Raum stehen, während ich mich innerlich fragte wie ich nun reagieren sollte. Ich fand die Belohnungs- und Argumentativorientierte Erziehung, wie sie hier in Deutschland praktiziert wird bemerkenswert, mir fehlte aber jedoch die Erfahrung schlichtweg. Während ich den Tisch abräumte, warf ich ein, dass er ins Bett gehen könne, die Diskussion aber noch lange nicht zu Ende sei. Verzweifelt fragte ich mich, ob Autorität und eine argumentative Erziehung Gegensätze sind, wie ich die nervenaufreibende Diskussionen verkürzen kann und woraus ich die triftigen Argumente mit der nötigen Überzeugungskraft schöpfe, die ich tagtäglich für eine argumentative Erziehung brauche?

Mir lief es kalt den Rücken runter, wenn ich daran dachte, dass ich auch nicht nur im Traum gewagt hätte, einen Befehl oder eine Bitte von meinen Eltern mit einem Gegenargument abzuspeisen. Ich musste sogar in der Lage sein bereits zu ahnen, was sie von mir wollten bevor sie den Befehlssatz zu Ende gesprochen hatten und mich sofort auf dem Weg machen. Nach der Devise „langsam gehorchen ist nicht gehorchen.“ Wenn ich zum Beispiel zum Markt geschickt wurde, spukte meine Mutter auf dem Boden, ich sollte zurück sein bevor die Spucke ausgetrocknet war, schaffte ich das nicht, gab es Haue.

Was war denn hier los?
Während ich noch auf der Suche nach Antworten war, bekam ich auch noch eine Einladung von der Schule. Der Junge schwätzt, ist anstrengend, sitzt nicht ruhig, ist zu aufgeweckt. Die Lehrerin diagnostizierte ihm zwei Wochen nach der Einschulung ADHS. Was bitteschön ist ADHS? Sie war vermutlich aufgrund meines Migrationshintergrundes davon ausgegangen, dass ich keine Vorstellung davon hatte, also hatte sie im Vorfeld eine Broschüre für mich besorgt. Sie bat mich sie zuhause sorgfältig zu lesen damit wir gemeinsam bei dem nächsten Termin über die  nächsten Schritte nachdenken konnten.

Nach sorgfältiger Lektüre der Broschüre, zog ich Google zu Rat. Es gab unzählige Treffer unter dem Suchbegriff ADHS. Nachdem ich mich schlau gemacht hatte, stellte ich schließlich fest, dass zu wenige Merkmale auf meinen Sohn zu trafen, als das insgesamt von ADHS gesprochen werden konnte. Dies teilte ich auch der Lehrerin unmissverständlich mit. Ich sprach jeden Tag mit meinem Kind, aber es verging kaum ein Tag ohne Mitteilung der Lehrerin. Ich war bis dahin davon ausgegangen, dass ich ein normales Kind hatte, nun fing ich an die Effizienz der argumentativen Erziehung zu hinterfragen. Damit war ich anscheinend drauf und dran zu versagen. Ich zog noch einmal Google zu Rat. Diesmal suchte ich nach den Eigenschaften eines normalen Kindes. Es kam fast kein Treffer. Woran sollte ich messen ob mein Sohn normal war? Zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, setzte ich meinen Sohn bei seinem Schulkameraden ab. Da sich viele Eltern der Klasse meines Sohnes im Hof aufhielten, ergriff ich die Gelegenheit und mischte beim „Smalltalk“ mit. Schließlich fragte ich, wie es bei ihren Kindern denn so liefe. Hier erfuhr ich, dass die meisten Jungen der Klasse, genauso wie mein Sohn jeden Tag Mitteilungen von der Lehrerin mit nach Hause brachten. Obwohl ich erleichtert war, dass mein Sohn keinen Sonderfall darstellte, beschäftigte mich das Problem weiter. Schließlich dachte ich mir, dass es wohl in der Natur der Kinder liegen musste, allen voran der Jungen, mehr Bewegungsdrang zu haben. Denn bei aller Strenge in der Schule, schwätzen wir bei uns Zuhause und blödelten wissend, dass wenn wir erwischt wurden eine harte Strafe die Konsequenz sein würde. Ich darf mir gar nicht vorstellen, was in der Klasse los gewesen wäre, hätte es solche Strafen nicht gegeben. Während es bei mir Zuhause mit der Rute und durch harte Strafen beabsichtigt wurde uns diese Dämonen (Bewegungs- und Mitteilungsdrang) – denn so nannte man sie – auszutreiben, wird dies hier von Medikamente übernommen.

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