Weißer Rauch für ein Schwarzes Pontifikat?

Posted in africa, german post, Geschichte on Februar 16th, 2013 by valerie

Was braucht Afrika mehr? Einen Schwarzen Papst oder eine Renaissance?

2011Yaounde_II 059Bereits die Wahl des Papstes im Jahr 2005 hatte für mich dieses Amt entmystifiziert. Denn als  Schüler einer katholischen Schule – école Saint Rosaire de Mbalmayo (siehe Fotos) – wurde uns erzählt, dass der Papst Stellvertreter Jesus auf Erde sei und deshalb nur ein Auserwählter dieses Amt bekleiden dürfe. Dabei orientierte man  sich daher lediglich nach Zeichen, die direkt vom Himmel kamen und die deutlich erkennen ließen, dass dies der Auserwählte war. Sogesehen ging der Papst – laut der offiziellen Erklärung – nicht aus einer Wahl hevor.

 

Jetzt2011Yaounde_II 064 gibt mir den Rücktritt des  Papstes den Rest, denn es wurde uns auch beigebracht, dass man als Christ seine Last – unabhängig davon wie beschwerlich und unerträglich sie sein mag – zu Ende trägt, wie der Papst Johannes Paul II vorgelebt hatte. Dieser Rücktritt ist für mich, als würde man sagen, dass Jesus zurücktritt. Das Amt ist so heilig, als das es aufgegeben werden könnte. Das dachte ich zumindest bis dato.

 

Wie aus dem Spiegel-Online Artikel hervorgeht, wird nun auch noch darüber spekuliert, dass der nächste Papst aus Afrika stammen könnte.

Schon vor acht Jahren, als Josef Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. gewählt wurde,  spekulierte man bereits, dass die Zeit reif für einen schwarzen Papst wäre.

Was  sich keiner davor getraut hätte nicht einmal zu denken, geschweige denn über die Lippe zu bríngen, auch nur als Hirngespinnst wird heute ausgesprochen. Selbst wenn es am Ende doch kein Schwarzer Papst geben sollte, zeigt allein die Tatsache, dass es in Erwägung gezogen wird, wie sehr die Welt dabei ist sich zu verändern. Ob ein Schwarzer Papst auch akzeptiert und toleriert wird ist eine andere Frage.

Aber heißt es auch, dass ein Schwarzer Papst gut für die Entwicklung Afrikas wäre?

Die Tatsache, dass die meisten Katholiken in Afrika zu finden sind, würde diese Wahl rechtfertigen, wenn man nach dem Mehrheitsprinzip verfahren würde. Ob dies jedoch allgemein für die Entwicklung Afrikas lohnt, bleibt dahin gestellt. Fakt ist, dass Afrika eine Renaissance verstanden im Sinne von Humanismus für seine Entwicklung braucht. Die meisten streng gläubigen  Katholiken glauben an das Leben jenseits des Todes. Diesseits dient nur der Vorbereitung für die Aufnahme  ins Paradies. Folglich würde es für die meisten  nicht lohnen diesseits Reichtum anzuhaufen, das ohnehin vergänglich ist.

So bemühen sich die meisten Gläubiger sich nicht an materiale Dinge zu hängen, denn Armut auch ein Zeichen von Glaube ist. Ein schwarzer Past würde diese Sicht wahrscheinlich verstärken und die Armut in Afrika womöglich eher befestigen als beseitigen.

Was die Verbreitung von Aids anbelangt, so kann ein Richtungswechsel des Vatikans zwar viel bewirken, hat aber nur indirekt mit einem Schwarzen Papst zu tun.

Würde mich freuen wenn die Welt bereit für ein Schwarzes Pontifikat ist. Den Mehrwert für Afrika bezweifle ich allerdings. Die Zukunft wird es uns hoffentlich zeigen.

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Afrika jenseits der Sklaverei und Kolonialisierung

Posted in africa, german post, Geschichte, Sub-Saharan Africa, worth reading on November 28th, 2011 by valerie

Darf ich fragen woher Sie kommen ? Euh ich meine ursprünglich. Wo liegen Ihre Wurzeln?

Ich bin eine  in Kamerun geborene Afrikanerin und im Besitz einer kamerunischen Staatsbürgerschaft. Wenn Sie mich fragen wo meine Wurzeln liegen dann würde ich sagen natürlich in Afrika. Wo denn sonst.  Afrika  ist ja bekanntlich die Wiege der Menschheit.

Ach Kamerun ist doch eine ehemalige deutsche Kolonie oder?

Und wieder wurde alles andere ausgeblendet und nur die koloniale Vergangenheit hervorgehoben.

Ist das alles, was die Geschichtsbücher über Afrika zu bieten haben?

Ich lebe seit dreizehn Jahren in Deutschland. Im Laufe dieser Zeitspanne, bin ich immer wieder in Situationen geraten in denen ich entweder richtig stellen musste, dass Afrika entgegen mancher Wahrnehmungen ein Kontinent und kein Land ist. Oder gelten machen musste, dass  Afrika eine Geschichte jenseits der Sklaverei und der Kolonialisierung hat. Und doch war es für die meisten mir begegneten Menschen immer interessanter und viel wichtiger die Konversation in die kolonialen Vergangenheit zu lenken. Und zwar in jeder Lebenswelt.

Dies führte mich zu der Erkenntnis, dass die herablassende Haltung, die manche menschen gegenüber Afrikaner haben und die Verunsicherung und mangelnde Selbstbewusstsein mancher Afrikaner selbst womöglich von der Tatsache herrühen, dass die afrikanische Geschichte überwiegend auf Sklaverei und Kolonialisierung reduziert wird.

Ein kleines Mädchen sprach mich 2009 während eines Sommerfestes in der Schule meines Sohnes an und erzählte mir, dass seine Mama ihm erzählt haben soll, dass die Schwarzen ursprüglich Sklaven gewesen wären. Auf die Fragen  im  welchen Zusammenhang die Mama dies denn gesagt haben soll und was die Mama denn so noch über die Schwarzen erzählt hatte bekam ich leider keine Antwort. Denn bevor es die Möglichkeit gehabt hatte mir die Geschichte ausführlich zu erzählen, rief seine Mama, die auch anwesend beim Fest war es.

Aber was heisst hier ursprünglich Sklaven?

Tatsächlich wurde der Fluss der Geschichte Afrikas jeweils durch die Sklaverei und die Kolonialisierung unterbrochen und dadurch sehr beeinträchtigt. Indem der Kontinent entvölkert und versucht wurde Afrika zu Europäisieren.  Doch während es möglich war durch hohen Gebrurtenraten Afrika wieder zu bevölkern -mittlerweile leben etwas eine Milliarde Menschen in Afrika -,  haben es die Afrikaner weder geschafft sich radikal zu europäisieren noch an ihrer ursprünglichen Geschichte, die Geschichte vor der Sklaverei und vor der Kolonialisierung  wieder anzuknüpfen. Die Geschichte Afrikas. Afrika  des Chaka Zulus, des Soundiata Keitas, Afrika Kankan Moussas, Afrika Abdelkahders…

Hier liegt meiner Meinung nach der Ursprung aller  afrikanischen Übeln und gleichzeitig auch den Weg zur ihrer Heilung begraben. Denn wie Leopold Sédar Senghor es treffend formuliert hatte, “ un petit caillou jeté dans l’eau ne peut devenir poisson.“ Was soviel bedeutet wie ein in den fluss geworfener Stein sich niemals in einen Fish verwandeln wird,  werden sich die Afrikaner nie radikal europäisieren können. Daraus folgt, dass je länger der versuch anhalten wird sie zu  europäisieren, desto länger wird auch das Scheitern anhalten. Damit es mit Afrika aufwärts geht müssen wir die Wiederanknüpfung zur afrikanischen Geschichte anstreben, zu unserer Geschichte zurück finden. Diese Geschichte beginnt mit der Erscheinung des ersten Menschen auf unserer Erde.

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