Südafrika ohne Madiba

Posted in africa, german post, Sub-Saharan Africa, Völkerverständigung, worth reading on Dezember 6th, 2013 by valerie

Das Jahr 1990 war aufgrund zweier Ereignissen das bemerkenswerteste Afrikas, das ich bis dahin erleben durfte. Es markierte das Ende der Unterdrückung zweier Völker des Schwarzen Kontinents. Zum einen die Unabhängigkeit Namibias und zum anderen die Befreiung Nelson Mandelas.

Die repressiven Maßnahmen, mit denen die „Weißen“ in Südafrika bestrebt waren die Schwarzen in ihren Schranken zu weisen, raubten mir öfters den Schlaf. Ich konnte mir als Kind nicht erklären,warum so viel Hass und soviel Ungerechtigkeit möglich waren und vor allem wieso die anderen Staaten nichts dagegen unternahmen. Um so großer war meine Freude als ich im Jahr 1990 die Bilder  im Fernseher sehen dürfte, wie sich Nelson Mandela mit seiner damals noch Ehefrau, Weggefährtin und Leidensgenossin Winnie mit gehobener Faust als freier Mann präsentieren durfte. Diese Befreiung war nicht nur diejenige Nelson Mandelas persönlich, sondern diejenige Südafrikas als Ganzes. Denn Nelson Mandela liebte sein Volk und sein Land so sehr, dass er seine Freilassung nicht eingewilligt hätte, wenn diese nicht zugleich die Befreiung Südafrikas und damit seines Volkes bedeutet hätte. Damals als er freigelassen wurde, spekulierte man viel über seinen gesundheitlichen Zustand. Viele waren davon überzeugt, dass ihm nach den Strapazen der 27 Jahre Haft, die Freiheit nicht bekommen würde und reduzierten seine Lebenserwartung auf höchstens zehn Jahre.

Wer Robben Island besichtigt kann sich ein Bild davon machen, was für ein Opfer Madiba für uns alle erbracht hat

Wer Robben Island besichtigt kann sich ein Bild davon machen, was für ein Opfer Madiba für uns alle erbracht hat

Aber wie uns die Geschichte dieses großen Mannes lehrt, wurde jeder der „Madiba“ unterschätzte des besseren belehrt. Er lebte noch fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Freilassung. Ein Vierteljahrhundert in welchem er vieles bewegt hatte.  Er hatte den Südafrikanern das Verzeihen und die Versöhnung nicht nur gelehrt, sondern auch vorgelebt.  Er hatte seinem Volk und seinem Land das wichtigste beschert: FREIHEIT. Das wichtigste, weil Freiheit  die Voraussetzung nicht nur für die persönliche Entfaltung, sondern auch für diejenige eines Volkes als ganzes ist. Mandela hat mit der Freiheit seinem Volk die Voraussetzung für die Entfaltung geschaffen, die nicht in der Gewalt und Ressentiments, sondern im Verzeihen und Versöhnung seinen Ausdruck findet.

Diese Zelle zeugt von der Größe der Person, die sie 18 Jahre lang bewohnte und danach nur von Versöhnung sprach

Diese Zelle zeugt von der Größe der Person, die sie 18 Jahre lang bewohnte und danach nur von Versöhnung sprach

 

Obgleich den Südafrikanern einem langen Weg noch bevorsteht bis die Rassenvermischung eine Selbstverständlichkeit wird, nachdem die Rassentrennung durch die Apartheid über Generationen hinweg verankert wurde, so hat das Land in dieser Hinsicht bereits vieles erreicht. Dass mit der Erlangung der Freiheit nicht alles getan wurde, wusste „Madiba“ auch als er folgendes in seiner Autobiographie Long Walk to Freedom schrieb:  „Ich habe diesen langen Weg in die Freiheit zurück gelegt, ich habe versucht nicht zu wanken; Ich habe viele Fehltritte gemacht. Aber ich habe dieses Geheimnis entdeckt: Nach dem Klettern eines großen Hügels, alles, was man herausfindet ist, dass es noch mehr Hügeln zum klettern gibt.“ Diese Hügeln sind die Herausforderungen womit Südafrika heute konfrontiert ist und die Nelson Mandela auch noch meistern wollte wie er schrieb: Ich bin einen Moment stehengeblieben, um mich auszuruhen, um das herrliche Panorama zu bewundern, das mich umgibt ,um aus der Ferne den langen Weg zu betrachten, den ich zurückgelegt habe. Aber ich kann nur eine Weile ausruhen; Mit der Freiheit kommen auch Aufgaben; und ich wage nicht zu verweilen, denn mein langer Weg ist noch nicht beendet.“ Leider obliegt dem Menschen nicht die Entscheidung über die Dauer seiner Mission diesseits, so dass jeder irgendwann abdanken muss, so leider auch Nelson Mandela am 5. Dezember 2013 nachdem er Großes vollbracht hat, nachdem er den Südafrikanern die Freiheit und das Land zurück gab. Was die Südafrikanern daraus machen werden, bleibt ihnen überlassen. Fakt jedoch ist, dass dies Ihnen keiner mehr wegnehmen kann. 

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Industrialisierung Wohlstand und Umwelt

Posted in africa, economic policy, german post, politics, Sub-Saharan Africa, Wirtschaftspolitik, worth reading on November 14th, 2013 by valerie

Industrialisierung ist für Wohlstand, das was die Demokratie für den Staat ist.

Nicht der perfekte aber der beste, dem Menschen bekannte Weg einer Volkswirtschaft zum Wohlstand zu gelangen.

Wie soll Wohlstand erreicht werden, wenn dieser Industrialisierung voraussetzt? Wenn es bedenkt wird, dass Industrialisierung mit übermäßigem Verbrauch an natürlichen Ressourcen einhergeht und der übermäßige Verbrauch von Rohstoffen seinerseits den Klimawandel als Folge hat, mit teilweise unumkehrbaren Umweltschäden wie beispielsweise die Erderwärmung und die Ausdünnung des Ozons.

Was bedeutet das für die noch nicht industrialisierten Länder ? Müssen sie auf die langersehnte Industrialisierung der Umwelt zu Liebe verzichten und damit den Traum vom Wohlstand aufgeben? Was ist die Alternative zur Industrialisierung?

Besteht die Lösung darin technologisch fortgeschrittenen Industrieländern ganz die Warenproduktion jeglicher Art zu überlassen und sich selbst mit der Rolle des ewigen Warenimporteurs abzufinden, um die Umwelt nicht noch mehr zu belasten, weil jede neue Industrialisierung nicht nur mit immensem  Rohstoff- und Energieverbrauch einhergeht, sondern auch den globalen Anstieg  an CO2 -Ausstoß bedeuten würde? Oder liegt die Lösung darin, dass die bestehende Industriestaaten ihre Überproduktion und damit ihren Rohstoff- und Energieverbrauch reduzieren und somit den noch nicht industrialisierten Ländern die Chance gewähren aus eigener Kraft Industrialisierung voranzustreiten und zum Wohlstand zu gelangen?

Die zweite Option würde jedenfalls einen Beitrag zu den allgegenwärtigen Kämpfen der Weltgemeinschaft leisten. Nämlich die Armutsbekämpfung und der Kampf gegen die Umweltzerstörung.

Beitrag leisten zum Kampf gegen Armut, weil die Industrieländer nicht mehr wie bisher die Märkte der noch nicht industrialisierten Länder mit ihren Industrieerzeugnissen und Agrarprodukten überschwemmen würden. Was die Unternehmen der noch nicht industrialisierten Länder wettbewerbsunfähig macht und damit viele Arbeitsplätze nicht nur vernichtet werden, sondern die Chance beraubt wird überhaupt welche enstehen zu lassen. Die noch  nicht industrialisierten Länder hätten die Gelegenheit die Rohstoffexporterlöse in die Förderung der Industrialisierung zu reinvestieren und wer Industrialisierung sagt, sagt Wohlstand und damit auch Armutsbeseitigung.

Beitrag leisten zum Kampf gegen die Umweltzerstörung, da die Reduzierung der Produktion mit der Reduzierung des Rohstoff- und Energieverbrauchs einhergeht, würden die Industrienationen ihre Rohstoff- und Energieimporte aus den rohstoffreichen noch nicht industrialisierten Ländern einschränken.  Dies würde dazu führen, dass die noch nicht industrialisierten Länder diesen Anteil an Energie- und Rohstoffe der nicht mehr von den Industrienationen abgenommen wird, selbst in ihren Industrialisierunsprozess mit einfleißen zu lassen ohne die Umwelt zusätzlich durch erhöhten Mengenabbau an Rohstoffen zu belasten. Die Emission des CO2 würde durch die Senkung der Produktion in den Industrieländern reduziert und vielleicht um den gleichen Anteil in den eingehenden Industrieländer steigen ohne jedoch global zuzunehmen und die Umwelt zusätzlich zu belasten.

So viel wie die Menschen in den Industrieländern Rohstoffe und Energie verbrauchen, so schnell können selbst die regenerierbaren Rohstoffe gar nicht regeneriert werden. Laut GEOPOLITICAL, verbraucht beispielsweise in Deutschland jeder Bürger im Laufe seines Lebens im Durchschnitt rund 1.000 Tonnen Erze, Erden und Mineralien. Angenommen dies würde nicht nur für die übrigen Industrienationen gelten, sondern auch für die noch nicht industrialisierten Länder, wo stünde die Welt heute?

Das Beispiel der Volksrepublik China zeigt, dass es nicht tragbar für die Umwelt wäre, wenn die Industrienationen weiterhin wachsen würden, wie bisher und die heute noch nicht Industrienationen an ihnen anknüpfen würden.

Mit seiner Industrialisierung hat China im Jahr 2009 bereits die Vereinigten Staaten als den weltweit größten Energieverbraucher abgelöst. Verbrauchte China im Jahr 2000 nur halb so viel Energie wie die USA, so hat sich sein Energiebedarf im Verhältnis zu den zehn Jahren zuvor, zwischen 2000 und 2008 vervierfacht. Vor diesem Hintergrund prognostizierte die internationale Energie Agentur 2010 sogar einen Anstieg des chinesischen Energiebedarfs zwischen den Jahren 2008 und 2035 um 75 Prozent mit einem Anteil von 22 Prozent am globalen Energiebedarf.

Angenommen Afrika würde mit seiner eine Milliarden Menschen analog wie China aufgrund der einsetzenden Industrialisierung genauso viel Energie verbrauchen, wie sähe dann der globale Rohstoff- und Energiebedarf aus? Würde dann fernab der Umweltschäden kein neuer Krieg ausbrechen? Ein Krieg um Ressourcen?

Da Afrika nach Wohlstand strebt, wird sich der Kontinent industrialisieren müssen. Da Industrialisierung die Gefahr der massiven Umweltzerstörung birgt, sind die Industrienationen in der Pflicht um dies zu ermöglichen, ihren Rohstoffkonsum zu zügeln.

Es wäre an der Zeit, dass die Industrienationen einen umweltbewussten Umgang mit den Ressourcen zeigen, indem sie aufhören zu produzieren um wegzuwerfen, um die Märkte der noch nicht industrialisierten Nationen zu überschwemmen, indem sie einfach kurz treten und damit den noch nicht industrialisierten Staaten Industrialisierung und somit Wohlstand ermöglichen.

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Sparen in Afrika

Posted in africa, economic policy, Entwicklungspolitik, german post, Sub-Saharan Africa, worth reading on Oktober 30th, 2013 by valerie

Ist langfristiges Denken angeboren? Wenn ja wie kann man es sich eineignen?

Mancher Stereotypen zur Folge, ist der Schwarz Afrikaner unfähig über den Tag hinaus zu denken.Wenn tatsächlich so wäre, würde, dies Aufschluss auf die immerwährende Armut  des Schwarzen Kontinents geben?

Fakt ist wer langfristig denkt, ist besser für die Zukunft aufgestellt. Wer seine Lebensbedingung auf Dauer verbessern möchte, muss auch bereit sein, Vorkehrungen dafür zu treffen. Bei einer Volkswirtschaft geschieht dies beispielsweise unter anderem durch Konsumverzicht durch Sparen zu Gunsten der Kapitalbildung.

„Lebe in Hier und Jetzt.“
Ein gängiges Sprichwort bei den Bantu rät dazu sich nicht heute um die Probleme des morgigen Tags Gedanken zu machen, denn der morgige Tag durchaus in der Lage sein wird seine Probleme selbst zu lösen.  Viele nehmen diese Weisheit grundsätzlich wortwörtlich. Dies ist dann zum Beispiel der Fall, wenn viele Familien nach Erhalt ihres Lohns an den darauffolgenden Tagen in Saus und Braus leben wissend, dass das Geld so unmöglich für den ganzen Monat reichen kann. Aber ihnen ist es lieber es sich für kurze Zeit richtig gut gehen zu lassen und dafür in der letzten Monatshälfte zu hungern und auf ein Wunder hoffen. Anstatt sich das Geld über den Monat vernünftig einzuteilen indem man nicht über seine Verhältnisse in der ersten Monatshälfte lebt und vielleicht auch den Versuch zum Sparen wagen.

Die niedrige Lebenserwartung beeinflusst das Sparverhalten

Man möchte lieber in Hier und Jetzt leben. Man möchte lieber für die kurze Zeit in der man sich selbst auf der Erde aufhalten darf intensiv leben und nicht auf die Zukunft setzen, die man mit größer Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben wird. Während  die Menschen in Europa und Nordamerika durchschnittlich 78 Jahre und in Nordafrika immerhin 68 Jahre alt werden, verzeichnet subsahara Afrika mit 50 Jahren, die niedrigste Lebenserwartung weltweit.

Aussorgen für die Zeit danach

Auch den Entscheidungsträger mangelt es an Visionen. Dies wird an ihr rücksichtsloses Verhalten der Veruntreuung und Unterschlagung beobachtet. Die Republik Kamerun zum Beispiel, hat im Jahr 2006 ein erbitterter Kampf gegen die Korruption unternommen. Seitdem wurden zahlreiche höhere Beamten unter anderem Ministern, Staatssekretäre und Vorstände Regierungsnahen Unternehmen wegen Veruntreuung und Unterschlagung hinter Gitter gebracht. Die von ihnen unterschlagenen Gelder belaufen sich etwa auf 215 Milliarden (FcFA) sprich 140 Millionen Euro, die zum größten Teil in ausländischen Banken schlummern. Da die Amtsdauer von der Laune des Präsidenten abhängt, werden die Ämter dafür missbraucht um schnell für das eigene Leben auszusorgen. So wird das dem Amt zur Verfügung gestellte Budget nicht in die Realisierung der  mit ihm zusammenhängenden Projekte Investiert.

Ist Afrika aus Mangel an binnen Ersparnisse und aufgrund der Unterschlagung-Mentalität der Entscheidungsträger deshalb zur ewigen Armut verurteilt?

Durch das Fehlen an Ersparnisse und die vermehrte Unterschlagungen, bleiben die Investitionen aus, die nötig für die Hebung des Lebenstandard und Voraussetzung für ein langes Leben sind. Ein Teufelskreis dessen Überwindung Hilfe vom Außen erfordert. Jedoch weniger wie bisher in Form einer Entwicklungshilfe als vielmehr in Form von ausländischen direkt Investitionen. Gegenwärtig fließt nur 1 Prozent der weltweit getätigten ausländischen Direktinvestitionen nach Afrika. Dabei ist Afrika mit einem immensen Potential ausgestattet.  Mit 3025,8 Hektar als zweitgrößte Kontinent der Erde nach Asien fungierend, beträgt sein Anteil an globale Waldfläche 17 Prozent, wovon 21 Prozent des Bodens Ackerboden ist, was die Landwirtschaft begünstigt. Darüberhinaus beherbergt der Schwarze Kontinent mit mehr als eine Milliarde Menschen, 15 Prozent der Weltbevölkerung und stellt somit einen riesigen Markt dar. Weiterhin kann der Kontinent obgleich ungleichmäßig verteilt, immensen Rohstoffvorkommen  vorweisen, was seine Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen sollte. Warum bleiben denn diese, von wenigen Ausnahmen abgesehen aus? 

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Afrika deine Gesundheitsinfrastruktur

Posted in africa, economic policy, Entwicklungspolitik, german post, Sub-Saharan Africa, worth reading on Oktober 28th, 2013 by valerie

Es ist ein Tag wie jeder andere im Leben meiner Nichte Alima. An diesem Tag im Mai 2004, steht sie wie gewohnt um sechs Uhr früh auf, frühstückt und macht sich auf dem Weg zur Schule. Alima ist 19 Jahre alt, besucht die „Terminale“ (die Abiturklasse im kamerunischen Schulsystem) und bereitet sich auf die bevorstehende Abiturprüfung vor.

Vor einem Jahr war ihre alleinerziehende Mutter, meine Cousine gestorben. Sie hatte nur noch ihren jüngeren Bruder mit dem sie zusammenlebte. Um 16 Uhr ist gewöhnlich Unterrichtsschluss. Sie nimmt einen Umweg zu Fuß zum Markt und kauft dort noch für das Abendessen ein. Gegen 18 Uhr  kommt sie endlich zuhause an. Sie legt ihre Schultasche auf der neben der Tür stehenden Bank, schreitet zur Kochnische vor, stellt dort die Einkaufstasche hin. Sie zieht danach ihre Schuhe aus und schiebt sie unter das Bett. Dann streckt sie die Hand zu der  als Wäscheschrank dienenden und an der Decke hängende Wäscheleine, nimmt ein Kleid, zieht ihre Schuluniform aus, hängt sie auf einen Kleiderbügel und danach am an der Wand befestigten Nagel auf. Im Hof gibt es einen Brunnen, dorthin begibt sie sich mit einem leeren zwanzig Liter Kanister. Sie zieht viermal an dem am Seil hängenden fünf Liter Eimer und füllt mithilfe eines Trichters den Kanister auf. Jetzt kann sie mit dem Kochen beginnen. Zum Kochen benutzt sie einen Petroleumkocher. Sie fängt mit den Kochbananen an. Nachdem diese gar sind, kocht sie Erdnusssoße mit geräucherten Makrelen. Bis sie mit dem Kochen fertig ist, ist  es etwa 19 Uhr. Der Bruder, der eine Ausbildung zum Mechaniker absolviert  und mit dem sie das Zimmer teilt kommt wie immer pünktlich zum Abendessen. Nach dem Abendmahl wäscht der Bruder das Geschirr, während Alima sich verabschiedet. Sie muss noch zu ihrer Lerngruppe dazu stoßen.

Kurz vor Mitternacht verabschiedet sie sich von der Lerngruppe und stellt sich an den Straßenrand um ein Mototaxi (Motorrad) anzuhalten. Dieses hat bereits mit vier Passagieren zwar die  maximale Kapazität erreicht. Aber in Kamerun achtet keiner darauf. Irgendwie passen hier viel mehr Leute auf ein Mototaxi  als dieses imstande ist auszuhalten. Alima steigt als fünfte Passagierin auf und sitzt ganz hinten. Mbalmayo ist eigentlich eine  sehr kleine Stadt. Eine Stadt in der man  unter normalen Bedingungen mit einem Fahrzeug weniger als eine Viertelstunde brauchen würde, um von einem Ende zum anderen zu gelangen. Aber der desolate Zustand der Straßen lässt solch eine Reise eine Ewigkeit dauern.  Überall Schlaglöcher, die aufgrund deren Tiefe eher an Gräben erinnern. Nur an wenigen Stellen erkennt man, dass die Straßen irgendwann einmal geteert gewesen sein müssten. Bemüht den Schlaglöchern  auszuweichen, geriet der Mototaximan (Fahrer des Mototaxis) auf die falsche Straßenseite und bemerkte zu spät den rasenden LKW, der ihnen plötzlich entgegen kam. Der LKW-Fahrer konnte dem Mototaxi nicht mehr ausweichen. Er rammte es mit voller Wucht.  Vier der fünf Passagiere des Mototaxis waren sofort tot. Meine Nichte überlebte dem Aufprall mit einem abgetrennten Bein. Noch unter Schock, griff sie sofort nach ihrem Handy und rief ihren Bruder an.  Dieser stürzte  sofort los und lief so schnell er konnte zu dem etwa fünf Hundert Metern von ihrer Wohnstraße entfernt liegenden Unfallort.

Es war herzzerreißend, sie lag da mit einem abgerissenen Bein in ihrer Blutlache. Nach einem Moment der Desorientierung, fasste er sich wieder zusammen, erkündigte sich, ob es jemand unter den Schaulustigen gab, der ein Auto besaß und bereit wäre ihm zu helfen seine Schwester ins Krankenhaus zu fahren. Es fand sich schnell jemand. Aber das einzige von den Chinesen in Mbalmayo erbaute Krankenhaus war nicht für „so einen Fall“ ausgerüstet und verweigerte die Aufnahme mit dem Hinweis, sie sollen es bitte mit ihr in der etwa hundert Kilometer von Mbalmayo entfernt liegenden Hauptstadt versuchen. Der Fahrer ein Familienvater war entschlossen zu helfen und willigte ein auch diesen Weg nach Jaunde auf sich zu nehmen. Bevor sie die Stadt verlassen konnten ging ihnen jedoch das Benzin aus. Es war bereits 2 Uhr früh. Die einzige Tankstelle im Quartier New-Town, der letzte Stadtteil von Mbalmayo auf dem Weg nach Jaunde  hatte bereits geschlossen und ohne Benzin konnte das Auto nicht mehr fahren. Der Autofahrer griff nach seinem Kanister im Kofferraum und rannte während er dabei versuchte ein Autotaxi anzuhalten. Er wollte zu einem Freund in die Stadt von dem er wusste, dass er mit Benzin zuhause schwarz handelte. Zurückgeblieben, fragte die mit Angst überrollte und frierende Alima ihren jüngeren Bruder immer wieder, ob sie nun sterben müsse, während das Blut unaufhörlich, wie ein kleiner Bach floss. Ihr Bruder der all seine Mut zusammen nehmen musste, um seinen Schmerz nicht explodieren zu lassen, antwortete mit tränenden Augen:  „Nein Schwesterherz du wirst nicht sterben, wir sind bald in Jaunde, da gibt es gute Ärzte, die sich um dich kümmern werden.“ Nach einer Weile, die allen Beteiligten als Ewigkeit vorkam, kehrte tatsächlich der Autofahrer mit dem vollen fünf Liter Kanister zurück. Zitternd füllte er es in den Tank und startete wieder los.  Zu dieser Zeit war die Straße bereits Menschenseelen-leer. Er konnte ohne Verkehrsbehinderung fahren insofern fuhr er so schnell er konnte. Während der Fahrt versuchte der Familienvater den beiden Mut zu zusprechen, er selbst konnte bei dem Anblick meiner Nichte die Tränen nicht unterdrücken.

Als sie gegen vier Uhr Morgens das Hopital Central von Jaunde endlich erreichten, war die Erleichterung groß die langersehnte Hilfe zu bekommen, aber Alima verabschiedete sich von dem Leben noch an der Rezeption während ihr Bruder verzweifelt versuchte die Ärzte davon zu überzeugen sie aufzunehmen, obwohl er das verlangte Geld für die Behandlung nicht hatte.

 

Vom Zeitpunkt des Unfalls lebte sie noch  etwa vier Stunden. Vier kostbare Stunden in denen sie gerettet hätte werden können, wenn eine adäquate Gesundheitsinfrastruktur vorhanden gewesen wäre. Sprich: – Technologisch gut ausgestattete Krankenhäuser und Gesundheitsämter –  Krankenwagen, – Qualifiziertes und effizientes ärztliches Personal – Ein funktionierendes Versicherungssystem. Vermutlich wäre es wiederum nicht zu diesem tragischen Unfall gekommen, wenn die Stadt mit einer sicheren Verkehrsinfrastruktur ausgestattet gewesen wäre. Wenn man bedenkt, dass Gesundheit die Voraussetzung für eine gut funktionierende Volkswirtschaft ist, dann stellt sich die Frage, warum die Entscheidungsträger der meisten afrikanischen Staaten es bisher versäumt haben kräftig in Gesundheit zu investieren, um eine effiziente Gesundheitsversorgung gewährleisten zu können. Es herrschen nach wie vor die prekären Gesundheitsbedingungen, wie zur kolonialen Zeit, was sich unweigerlich in die Lebenserwartung wiederspiegelt, die für Afrika südlich der Sahara mit einem Durchschnitt von 50 Jahre vergleichsweise sehr niedrig ausfällt. Nicht nur viele Kameruner, sondern auch viele Afrikaner sehen sich tagtäglich mit demselben Schicksal konfrontiert wie meine Nichte. Ein Ende ist nicht in Sicht. Jeden Tag müssen Menschen sterben, weil sie nicht rechtzeitig die nötige medizinische Versorgung erhalten oder weil zu dem Zeitpunkt an dem sie die medizinische Versorgung dringend benötigen, nicht über genügend Ersparnisse verfügen um diese auch zu finanzieren. Dies führt dazu, dass man heilbare Krankheiten mit sich herumschleppt bis man schließlich daran stirbt. Diese desolate Situation wäre viel schlimmer gäbe da nicht Leute wie Beispielsweise die Freiwilligen bei Rainbow Garden Villagedie sich in Afrika mit Herz und Blut engagieren und dazu beitragen, dass die Menschen, die sich selbst nicht helfen können in ihrem Elend nicht alleine gelassen werden.

Pflege eines Patienten

Pflege eines Patienten

 

Aber ein Staat kann nicht allein auf Fremdhilfe für seine Bürger bauen. Diese Hilfe ist komplementärer Natur und darf nicht die Entscheidungsträger dazu verleiten sich ihrer Pflicht zu entziehen. Wie soll es den Volkswirtschaften gut gehen, wenn die Menschen, die sie tragen sollen ein gesundheitliches Handicap haben? So wenig ein kranker Körper Leistung erbringen kann, sei es physisch oder psychisch, genauso wenig kann eine Volkswirtschaft ohne Gewährleistung der Gesundheitsversorgung insgesamt leistungsfähig sein. Ein effizientes Gesundheitssystem muss nicht mehr erfunden werden. Es muss lediglich kopiert werden. Daher ist es rätselhaft warum es so lange auf sich warten lässt? Liegt diese Untätigkeit in der Unfähigkeit (unqualifizierte Leute haben die Entscheidungsgewalt) oder  wird  dies schlichtweg dem Egoismus geschuldet? (Entscheidungsträger sind persönlich nicht von der prekären Gesundheitsversorgung betroffen, daher unternehmen sie nichts für ihre Verbesserung).

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Lampedusa, der Leuchtturm

Posted in africa, Entwicklungspolitik, german post, migration, worth reading on Oktober 10th, 2013 by valerie

„Live or Die trying.“

Diese immer wiederkehrenden Flüchtlingstragödien erinnern an den Film „Get Rich or Die Tryin‘ „von  Jim Sheridan. Nur „Get Rich“ wird hier mit „live“ ersetzt also: „Live or Die trying.“

Jeune Afrique zur Folge ertranken etwa  20 000 Flüchtlinge in den letzten zwei Jahrzehnten während ihr Versuch der Heimat den Rücken zu kehren und Europa das „Paradies auf Erden“ zu erreichen. Obgleich die Frage danach, warum, es immer wieder zu solchen Katastrophen kommt durchaus eine sehr wichtige auf dem Weg nach Lösungsuche ist, so prägnant ist diejenige weshalb die Menschen sich tagtäglich entscheiden ihr letztes Hab und Gut in diese Reisen zu investieren und unweigerlich damit auch den Tod in Kauf nehmen. Kriege, Hunger, Armut, Pandemien und Verfolgung  Kurzum  der chaotische Zustand in dem eigenen Land, in der  eigenen Heimat, der Ausdruck im eigenem Leib findet, führt zu der verzweifelten Suche nach Sicherheit und zwar, sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur. Die Hoffnung also, über den täglichen existenziellen Kampf hinaus zu gehen und einmal nicht nur Überleben, sondern LEBEN zu dürfen, gilt als zentraler Beweggrund.

Dass Europa weder bereit noch in der Lage ist alle Flüchtlinge zu absorbieren, die vor seiner Tür tagtäglich nach Leben schreien liegt auf der Hand. Dennoch kann Europa  dazu beitragen die Lebensbedingungen der Menschen in Afrika maßgeblich zu verbessern und somit die Ursachen beseitigen die den Flüchtlingsansturm zur Grunde liegen und zugleich diese Tragödien vermeiden. Dies erfordert die Bereitschaft  über das Ziel hinaus zu gehen Armut in Afrika nur reduzieren zu wollen, sondern gezielt Wohlstand zu produzieren. Dies aber setzt voraus, dass Europa aufhört der Schwarze Kontinent lediglich als sein Ressourcen- und Rohstofflieferant sowie sein Absatzmarkt zu betrachten. Europa muss stattdessen faire Handelsbedingungen schaffen, die dem Schwarzen Kontinent eine realistische Chance geben sich auf dem Weltmarkt zu etablieren und nachhaltig Wohlstand zu schaffen.

Die Wahrnehmung Afrikas von Europa lediglich als Ressourcen- und Rohstofflieferant und als Absatzmarkt, führte bereits zu dem vier  Jahrhundert lang anhaltenden Sklavenhandel und danach zu dem etwa dreiviertel Jahrhundert andauernden Kolonialismus und heute zum Neokolonialismus. Letzterer ist Nährboden für die aktuellen Konflikte in Afrika und behindert  die wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Entfaltung des Schwarzen Kontinents.

 

 

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