Wie Afrika den Westen subventioniert

Posted in africa, Entwicklungspolitik, german post, migration, politics, Sub-Saharan Africa, worth reading on September 27th, 2012 by valerie

„Braindrain“  vs. „Braingain“

Abwanderung von Humankapital aus Afrika.

Diese Konstellation geht bereit in die Epoche der Sklaverei und Kolonialisierung zurück.

Damals wurden Männer und Frauen mit starken Statur ausgesucht deren Gesundheit vielversprechend erschien, um die lange Reise im Zuge des Atlantischen Dreieckshandels  zu überleben und  in der lage wären ihr lebenlang zu Ackern.

Bedienten sich die Sklaventreiber im 16. Jahrhundert der  Zwangsmaßnahmen, so geschieht die Abwerbung von hochqualifizierter Fachkräfte aus Afrika heute Mittels attraktiver Angebote am Peispiel der Blauen Karte EU – und überwiegend nach dem Gesetz der freien Marktkräften.

Die Frage ist nur ob heute im Unterschied  zu damals, Afrika von der Abwanderung seiner Arbeitskräfte einen Profit erzielt.

Fakt ist: Unabhängig von seiner Herkunft, von seiner Hautfarbe und seiner sozialen Lage, strebt jeder Mensch nach besseren Lebensbedingungen und neigt deshalb dazu, alles ihm zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen um diese Bestrebung zu erfüllen. Gelingt ihm dies nicht  in seinem Herkunftsland, so wird er dazu neigen sein Glück woanders zu versuchen. Dies fürht zur Migrationen, deren Ursachen vielfältig sind.

Typischerweise  für Afrika dient die anhaltende Armut und die mit ihr einhergehende Perspektivlosigkeit als Beweggegrund für die Abwanderung.

Afrika steckt in einem Teufelkreis.

Einerseits wird  von wenigen Ausnahmen abgesehen, vergleichweise wenig  in die Bildung investiert ,  wie dies an der Alphabetismusquote Afrikas zeigt. Wie es aus dem 2011 von den Vereinten Nationen veröffentlichtem Bericht über die sogenannten Millenium Entwicklungsziele hervorgeht, verfügten 2009, 127 Millionen junge Menschen weltweit nicht über eine grundlegende Lese- und Schreibfähigkeit, 47 Millionen davon fallen allein  Afrika südlich der Sahara zu. Andererseits ist  der  Staat obwohl  größter Arbeitsgeber nicht in der Lage alle im Land ausgebildeten Fachkräfte und hochqualifizierte Menschen  zu absorbieren, obwohl er diese Arbeitskräfte dringend braucht.  Aufgrund der wenig Ausgeprägtheit des privaten Sektors und der Komplexität der Wirtschaftsverfassungen der meisten Länder, die eine unternehmerische Tätigkeit erschweren, Beginnen viele gut ausgebildeten Menschen eine Karriere in der Arbeistlosigkeit. Da der Westen mit attraktiven Angebote lockt, wandern viele von ihnen ab.

Im Zuge dieser Abwanderung scheint Afrika als Verlierer in dreifacher Hinsicht.

Erstens: Erzielen die Länder keinen Gewinn aus der Finanzierten Bildung des abgewanderten Human Kapitals. Dieser kommt sattdessen dem Westen zugute. Folglich bildet Afrika auf seine Kosten die Arbeitskraft für den Westen aus und subventioniert somit indirekt die Bildung der  Arbeitskraft der Industrieländer mit.  Da anders  als bei dem Einheimischen Human Kapital,  der Westen seinerseit sich die Investition in die Bildung der eingewanderten Arbeitskraft spart.

Zweitens: Es entgeht den Regierungen in Afrika durch diese Abwanderung  bedeutende Steuereinnahmen.

Drittens: Es besteht ein Verlust an Innovationskraft, die von gut ausgebildeten Arbeitskraft in Ganggesetzt hätte werden können um die Entwicklung voranzubringen.

Ob dies mit den Rücküberweisungen  kompensiert werden kann, sei mal dahin gestellt.

Es fällt jedoch auf, dass aufgrund der günstigeren Arbeitsbedingungen in dem Westen, nicht nur der Arbeitslose Teil des Humankapitals abwandert.  Hinzu kommt, dass die von dem Westen zur Verfügung gestellten Alternative, die Entfaltung der eigenen Kreativität seitens der Fachkräfte und Hochqualifizierten Bevölkerung Afrikas hemmt, wenn es bedenkt wird, dass  Not die Mutter aller Erfindungen ist, dann wird Afrika diese Chance genommen, was früher oder später zur Stagnierung der ohnehin schwachen Wirtschaft fürht.

So gesehen steht Afrika im Bezug auf Beschäftigung genauso wie bei der Sklaverei und Kolonialisierung als klarer Verlierer der Globalisierung da.

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Kamerun: Präsidentschaftswahl 2011 Bedrohung für Stabilität und Sicherheit

Posted in africa, german post, politics, Sub-Saharan Africa, worth reading on Juni 29th, 2011 by valerie

1.2. Deutsche Hinterlassenschaft

Obgleich die Kolonialisierung auf verschiedene Ursachen zurückzuführen war unter anderen Beispielweise die Pflicht zur Förderung der Entwicklung des Einheimischen, so war die  Koloniebesitzung für die deutschen in erster Linie zurückzuführen auf dem Willen, dem Mutterland neue Quellen zuzuführen und neue Abflussgebiete zu verschaffen. Der Vorwurf, dass die Einheimischen „Unfähig“ gewesen seien, aus ihnen im Überfluss zur Verfügung stehenden natürlichen Reichtum  Wert zu schöpfen rechtfertigte ihre Enteignung.

So existierte bei der Ankunft der Deutschen in Kamerun überhaupt keine Infrastruktur. Die Ausstattung des neu erworbenen Territoriums mit einer modernen Infrastruktur war somit eine unumgängliche Voraussetzung zur Realisierung der mit der Kolonialisierung verbundenen wirtschaftlichen Kalküle. Wie Albert Wirz dies betont: „Die militärisch-politische Besitznahme und der Aufbau einer kolonialen Verwaltungsorganisation mit ihr angeschlossenen Schulen und anderen sozialen Einrichtungen waren weder Agens noch Ziel, sondern lediglich unabdingbare Begleiterscheinungen einer als ökonomische Notwendigkeit erachteten Aktion, der es in erster Linie um Erschließung neuer Märkte […] und die Sicherstellung ihrer Versorgung mit tropischen Rohprodukten ging.“  Da die Kolonien nicht nur als Absatzmärkte – Textilwaren, Eisen- und Metallwaren, tierische Lebensmittel, Mineralstoffe, Getränke, Genussmittel, Geld, Instrumente, Bauholz, chemische Erzeugnisse, Stein und Glaswaren, Lederwaren, Seife , Waffen und Munition, Papier und Gummiwaren – fungierten, sondern auch als Rohstofflieferanten – Baumwolle, Kautschuk, Tropenhölzer, Rohölstoffe, Fette, Kakao, Elfenbein, Tabak und Kaffe,  musste dafür gesorgt werden, dass der Bestand dieser verschiedenen Rohstoffe, die maßgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum des Mutterlandes beitrugen stets gewährleistet blieb.

Aus diesem Grund begannen die Deutschen, sobald die Besitznahme Kameruns abgeschlossen war, mit einer Inventarisierung der Bodenschätze Kameruns, stellten Forschungseinrichtungen auf und nahmen die Modernisierung des Territoriums auf, indem sie verschiedene Plantagen kreierten, den Wald ausbeuteten, Verkehr- und Kommunikationseinrichtungen eröffneten. Dabei wurde der Agrarwirtschaft die oberste Priorität eingeräumt. So dass einen Anstieg der  Ausfuhr der cash-crops  um 6 Millionen Mark von 10 Millionen Mark im Jahre 1906 auf fast 16 Millionen im Jahre 1907 verbucht werden konnte. Um den hohen Bedarf an Agrarerzeugnisse decken zu können, musste die Produktion maßgeblich gesteigert werden. Dies setzte jedoch das Vorhandensein entsprechenden Kapazität an Arbeitskräften voraus. Aufgrund der niedrigen Bereitschaft der Einheimischen den Deutschen ihren Diensten freiwillig zur Verfügung zu stellen, wurden diesen teilweise zwangsrekrutiert.

Die von Deutschland benötigten Rohstoffe wurden somit von den Einheimischen angebaut und nach Deutschland ausgeführt. Es entstanden binnen weniger Zeit unter anderem Bananen-, Kaffee-, Kakao-, Tabak-, Baumwoll- und  Kautschukplantagen.  Bis 1904 wurden auf insgesamt 50.000 ha angebaut. Bis Anfang 1913 stieg die Zahl der europäischen agrarischen Unternehmen rasant.  parallel wurde der Bergbau intensiviert und immensen Summen in die Erdölförderung investiert. Letztere müsste aufgrund des Aufbruchs des Ersten Weltkrieges unterbrochen werden und blieb deshalb erfolglos. Wurde in den ersten Jahren alles von Trägern auf den Kopf transportiert, so stellte sich bald die Frage nach effektiveren und produktiveren Transportmöglichkeiten. Die Autobahn Kribi-Yaounde war die erste Kameruns und wurde 1912 fertig gestellt. Bis 1914 entstanden weitere Autobahnen, die die wichtigsten Regionen miteinander verbanden. Die Eisenbahn wurde am 11. April 1911 eröffnet und bis zum Aufbruch des Ersten Weltkrieges 1914 auf 173 km ausgebaut. Mehr als 5000 Arbeiter arbeiteten dort unter schwerste unsägliche Bedingungen. In Douala wurde bis 1910 ein Bahnsteig mit einer Gesamtlänge von 110 Meter angelegt. Die Häfen von Victoria, Tiko und Kribi wurden eingerichtet und die Telekommunikation ausgebaut. So wurden neben telegraphische auch telephonische Verbindungen verlegt. Auf der sozialen Ebene wurden Krankenhäuser gebaut und die bereits bestehenden Missionarschulen durch öffentliche  ergänzt. Die erste Missionarschule wurde bereits 1886 zwei Jahre nach  der Besitznahme Kameruns durch den Gouverneur von Soden in Douala gebaut. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges zählte das öffentliche deutsche Bildungswesen schließlich 833 Schüler. Ab 1888 flogen kamerunische Abiturienten nach Deutschland, um dort zu studieren.

Zusammenfassend, kann an dieser Stelle gesagt werden, dass, wenn auch um ihr eigenes Wohlergehen und die Notwendigkeit der kapitalistischen Entwicklung des Mutterlandes besorgt  , die deutschen Kolonialherren, trotz der repressiven Methoden und die daraus resultierende „Entwurzelung“ und Destabilisierung der traditionellen kamerunischen Völker, mehrere positive externe Effekte für Kamerun mit sich brachte und einen Anstoß für die kamerunische Entwicklung gab bis sie durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Deutschland mit dem Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 allen seine Kolonien entzogen.  So gingen die deutschen Kolonien Togo, Tanganjika, Ruanda und somit auch Kamerun als Mandatsgebiete des Völkerbundes in das Treuhandsystem dieses Bundes über.

Fortsetzung folgt…

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Afrikanische Flüchtlinge: Menschen Ohne Grundrechte?

Posted in africa, german post, migration on Juni 18th, 2009 by valerie

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Dies postuliert die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die nicht nur von der Europäischen Union angenommen worden ist, sondern von den Einzelnen Staaten dieser Gemeinschaft. Dies ist auch dem Artikel 10 der Verfassung des Königreichs Spanien zu entnehmen. Deshalb besteht hier das Entsetzen im Bezug auf die barbarischen Methoden auf die manche Staaten der Europäischen Union zurückgreifen, die sich sogar die Menschenrechte auf die Fahnen schreiben, um afrikanische Migranten von Ihrem Territorium fern zu halten.

Die Frage der Auslegung der Begriffe Würde und Menschen wird deshalb hier aufgeworfen. Dies geschieht, um die maßlose Gewalt, die den Afrikaner an Europäischen Grenzen tagtäglich zugefügt werden, zu verstehen.

Wer gilt also in der Europäischen Union als Mensch dessen Würde unantastbar ist, wenn solche Bilder im 21. Jahrhundert mitten in Europa aufgenommen werden können? Als ob die Sklaverei und die Kolonialisierung nicht gereicht haben um dem Afrikaner seine Würde zu berauben.

Dieses Video errinnert mich an den Film Roots der in den siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts gedreht wurde um den Menschen das Leid der Sklaven damals vor Augen zu halten, damit so etwas nie wieder passiert, damit die Menschen lernen sich unabhängig von Rassenzugehörigkeit  gegenseitig zu respektieren und zu schätzen.

Aber so wie es aussieht leben wir immer noch in einer Gesellschaft in der die Gleichstellung der Menschen unterschiedlich interpretiert wird, in der es Menschen der ersten Klasse gibt, die der ersten Welt. Die der zweiten Klasse, die der zweiten Welt und schließlich die der Dritten Klasse. Dieser letzten Kategorie kann der Mensch aus der Dritten Welt zugeordnet werden. Dementsprechend konkretisieren sich auch die Rechte.

Versetzen Sie sie mal in die Lage der Flüchtlinge. Mit der Annahme, dass jeder nach einem guten Leben strebt, wählt keiner die Hölle, wenn das „Paradies“ auch zur Auswahl steht.

Erst werden Jahrhunderte lang ihre Lebensgrundlage regelrecht vernichtet, Ihre Existenz  durch die Marginalisierung auf den globalen Märkte aussichtlos gemacht – ein Beispiel hierfür ist die Subventionierung der Agrarwirtschaft in der Europäischen Union – dann werden sie während des Kampfes um ihr Existenz, wie gefährliche Feinde in Kriegszeiten behandelt.

Wo bitteschön bleibt hier die Würde des Menschen? Oder ist es „nur“ ein Afrikaner?

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