AIDS-Warum?

Red Ribbon

Dann schickte sie mir ihre Fotos. Sie war nicht mehr zu erkennen. Komplett abgemagert, nur noch Knochen und Haut. Ihre natürliche Schönheit dahin geflossen. Sie war erst vierzig Jahre alt, sah aber aus als wäre sie bereits siebzig. Nach Erhalt ihrer Fotos, konnte ich mich nicht dazu entschließen sie anzurufen. Dazu fehlte mir die Kraft. Drei Tage später ergriff sie die Initiative, sie wollte sich vergewissern, dass die Fotos tatsächlich bei mir angekommen waren.

Alles war ihr genommen worden. Ihre Stimme aber war nach wie vor so warm und  kuschelig. Ohne diese Fotos hätte ich mir das Ausmaß ihres Leidens nicht annährend vorstellen können. Dann fragte sie mich, ob ich gesehen hatte wie stark  sie gealtert war. Ich versuchte meine Gefühle zu unterdrücken und meine  Stimme so zu verstellen, damit sie mein Schluchzen nicht merkte. Wie soll ich ihr verheimlichen, dass ihre Fotos mich aufwülten? Dass ich nach dem Erhalt untröstlich war und nicht mehr zum weinen aufgehört hatte. Denn ich sah es kommen, noch schlimmer sie sah es selbst kommen aber keiner von uns war in der Lage das Ende aufzuhalten. Eine Zeit lang halfen die Medikamente. Danach wurden sie zum Gift für ihren Körper.

Der ganze Mund wurde voll mit wunden, das Zahnfleisch, die Zunge und den Hals. In diesem Zustand unmöglich weder Medikamente noch Nahrung zu sich zu nehemen. Ein Paar Tage zuvor hatte sie sich ohnehin dazu entschlossen die Einnahme von  Medikamente einzustellen. Sie war der Auffassung, dass diese den Krankheitsverlauf beschleunigten. Bei unserem letzten Telefonat erteilte sie mir den Wunsch in ein Kloster gehen zu wollen, die Gebete und die Lieder wurden ihr gut tun so ihre Begründung. Zwei Tage später fiel sie ins Koma. In diesem Zustand blieb sie dann zwei Wochen.

Am 5. November 2009 dann verabschiedete sie sich von der Welt und ich hatte eine Schwester weniger. AIDS war die Ursache ihres Leidens gewesen.

Heute am Welt-aids-Tag, denke ich an sie an ihren Leidensweg, ich denke an alle meine Freunde, Bekannte, Verwandte und geschwister, die AIDS zum Opfer gefallen sind. Ich denke an alle HIV infizierte und an alle bei denen AIDS bereits ausgebrochen ist an ihre Familie und spreche ihnen Mut zu. Zudem appelliere ich an alle, die irgendwie helfen können, keine Gelegenheit zu verpassen dies zu tun egal in welchem Bereich und welchem Ausmaß. Denn keine Hilfe ist zu klein um geleistet werden zu dürfen.

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