Brain-Drain und Digitalisierung

Posted in Digitalisierung, Entwicklungspolitik, german post, off topic, worth reading on November 19th, 2018 by valerie

Laut Martin Ford, Autor des Buches: „The rise of the Robots„, werden Studium und gute Ausbildung im Zeitalter der Robotisierung und künstlichen Intelligenz kein Garant mehr für eine Anstellung darstellen. Seiner Beobachtung zufolge wird die zukünftige Generation schmerzhaft feststellen müssen, dass obwohl sie alles im Bezug auf Bildung richtig gemacht hat, dass sie trotzdem nicht von der durch die Digitalisierung bedingten Arbeitslosigkeit verschont bleiben wird. Denn für Unternehmen bringen Roboter viele Vorteile, mit welchen der Mensch als Arbeitnehmer nicht in der Lage sein wird zu konkurrieren. So können Roboter im Vergleich zum Mensch,  nicht nur schneller lernen. Sie können das Gelernte im schwindelerregendem Tempo unermüdlich umsetzen. Im Unterschied zum Mensch haben Roboter zum Beispiel kein Verlangen nach Work-life-balance. Kurzum sie stellen keine Ansprüche womit Arbeitgeber sich nolens volens arrangieren müssen (Arbeitsverträge). Die Priorisierung der Roboter auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt wird daher unumgänglich sein.

Aber bevor Roboter auf dem Arbeitsmarkt mit Menschen konkurrieren bzw. Menschen ersetzen können, braucht es heute bereits Menschen, die fähig sind Roboter in der Lage zu versetzen sie zu ersetzen. So gesehen ist die mit der Digitalisierung zusammenhängende Arbeitslosigkeit meines Erachtens keine Zukunftsmusik. Wir sind bereits Mittendrin. Wie soll man sonst das aktuelle Phänomen, Fachkräftemangel erklären? Wenn jede zweite Stellenbeschreibung digitale Kompetenzen (Digitale Experten) voraus setzt, über die viele Arbeitssuchende aktuell nicht verfügen, weil sie nicht rechtzeitig vermittelt worden sind und die Arbeitssuchende von Heute deshalb diese Kriterien nicht erfüllen. Digitale Analphabetismus ist heute ein Handicap auf dem Arbeitsmarkt, weil unabhängig von den übrigen Qualifikationen man keine gute Aussichten auf einen Job zu hat.

Aber der Mensch ist so konzipiert, dass er sein Leben lang lernen kann. Er besitzt die Fähigkeit sich ständig den Umständen anzupassen. Das Augenmerk für die Lösung des Problems: Fachkräftemangel, sollte daher nicht primär in der Anwerbung ausländischer Fachkräfte liegen. Die Unternehmen sollten auch bereit sein ihre eigene Mitarbeiter  weiterzubilden und bei Neuanstellungen digitale Fähigkeiten nicht Voraussetzen, sondern die Bereitschaft dieses Defizit durch Arbeit und Weiterbildung zu kompensieren. Und die Geduld aufbringen die dafür benötigte Zeit einzuräumen. Kurzfristig mag dies nicht optimal erscheinen, es handelt sich hierbei jedoch um eine Investition, die sich langfristig auszahlen wird.

Der Bedarf an Fachkräfte ist so Akut, dass er sich mit Blick auf den herrschenden internationalen Wettbewerb ohnehin nicht lediglich durch Braindrain decken lassen wird.

Hinzu kommt, dass Braindrain Entwicklung beeinträchtigt. Wenn immer mehr Talente Entwicklungsländern den Rücken kehren, verliert letzterer erheblich an Potenzial die eigene Entwicklung durch Innovation voranzutreiben. Die Stagnation gar Rückentwicklung ist die unmittelbare Konsequenz. Was wiederum hat die Abwanderung anderer Bevölkerungsschichten in die reiche Entwickelten Industriestaaten als Folge. Es entsteht ein Teufelskreis aus dem die Entwicklungsländer nicht mehr rauskommen.

Wer also gewillt ist, Entwicklung voranzutreiben und die Ursachen (Armut, Krieg, Pandemien, Korruption) der Illegalen Einwanderung zu bekämpfen, Sollte die Talente und Fachkräfte der Entwicklungsländern nicht abwerben, stattdessen Mittel zur Verfügung stellen damit diese Talente ihre Kräfte und Kreativität zum Wohle ihrer Ländern vor Ort entfalten können.

 

 

 

 

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Digitalisierung: Arbeitnehmer kontra Maschine

Posted in communication, Democracy, Digitalisierung, economic policy on Oktober 23rd, 2018 by valerie

Die Rolle der Politik

Mit der fortschreitenden Digitalisierung drängt sich die Frage heraus, in welchem Beziehungsgeflecht der Arbeiter bzw. der Arbeitnehmer zukünftig zur Maschine stehen wird?

Bis dato diente der technologische Fortschritt zur Steigerung der Produktivität der Arbeiter und Arbeitnehmer. Diese Produktivitätssteigerung wiederum ermöglichte Lohnsteigerungen und erhöhte somit die Kaufkraft der Arbeitnehmern. Was zum Wirtschaftswachstum und Wohlstand führte. So der Übergang zum Beispiel von agrarischen zur industriellen Produktion.

Im Digitalisierungszeitalter emanzipiert sich jedoch die Maschine. Sie fungiert nunmehr nicht mehr nur als mittel zum zweck der Produktivitätssteigerung der Arbeiter, sondern als Selbstzweck. Als solche, tritt sie selbst als Arbeitnehmer in Erscheinung. Und  ein unschlagbarer dazu. Gegen die Maschine ist der Mensch nicht konkurrenzfähig, somit verdrängt sie ihn vom Arbeitsmarkt. Aus jetziger Sicht ist die Massenarbeitslosigkeit die darauffolgende Konsequenz.

Gegenwärtig ist die Automatisierung unaufhaltsam und alle Zeichen deuten darauf, dass sich die Maschine und der Mensch auf dem Arbeitsmarkt schon lange als Konkurrenten gegenüber stehen. So werden weltweit zum Beispiel immer mehr Roboter in der Arbeit eingesetzt. Laut dem 2018 von International Federation of Robotics herausgegebenen World Robotic Reports, verzeichnete die Nachfrage nach Roboter ein Rekord im Jahr 2017. So wurden 381 000 Einheiten weltweit geliefert. Was laut dem Bericht einen Anstieg von 30 Prozent gegenüber von 2016 entspricht und eine Steigerung um 114 Prozent an alljährliche Umsatzvolumen an Industrierobotern in den letzten fünf Jahren bedeutet.

Mit blick auf die Tatsache, dass der Mensch bisher durch seine Produktivität in Form von Arbeit einen Lohn erzielen konnte, der  ihm den Kauf von Gütern ermöglichte und dadurch zur Ankurbelung der Gesamtwirtschaft beitragen konnte, stellt man sich die Frage über die zukünftige Herkunft seiner Kaufkraft und somit danach wer die  Erzeugnisse konsumieren wird, die die Maschine in unvorstellbaren Umfänge zu produzieren in der Lage sein wird, wenn der Lohn weiterhin eine Konsequenz der Arbeit bliebe und Maschinen statt Menschen für die Arbeit eingesetzt werden? Darüberhinaus stellt sich auch die Frage der zukünftigen Staatliche Einnahmen. Wenn die Lohnsteuer aufgrund der Massenarbeitslosigkeit weg fällt, wie kommt dann der Staat seine Aufgaben und Pflichten nach?

So gesehen verändert die Digitalisierung nicht nur die Arbeitswelt radikal, sie definiert den Staat als ganze und seine Rolle neu. Hier liegt eine der größten Herausforderungen die es für die Politik zukünftig zu bewältigen gilt. Je früher sie handelt, desto besser.

 

 

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