Südafrika ohne Madiba

Posted in africa, german post, Sub-Saharan Africa, Völkerverständigung, worth reading on Dezember 6th, 2013 by valerie

Das Jahr 1990 war aufgrund zweier Ereignissen das bemerkenswerteste Afrikas, das ich bis dahin erleben durfte. Es markierte das Ende der Unterdrückung zweier Völker des Schwarzen Kontinents. Zum einen die Unabhängigkeit Namibias und zum anderen die Befreiung Nelson Mandelas.

Die repressiven Maßnahmen, mit denen die „Weißen“ in Südafrika bestrebt waren die Schwarzen in ihren Schranken zu weisen, raubten mir öfters den Schlaf. Ich konnte mir als Kind nicht erklären,warum so viel Hass und soviel Ungerechtigkeit möglich waren und vor allem wieso die anderen Staaten nichts dagegen unternahmen. Um so großer war meine Freude als ich im Jahr 1990 die Bilder  im Fernseher sehen dürfte, wie sich Nelson Mandela mit seiner damals noch Ehefrau, Weggefährtin und Leidensgenossin Winnie mit gehobener Faust als freier Mann präsentieren durfte. Diese Befreiung war nicht nur diejenige Nelson Mandelas persönlich, sondern diejenige Südafrikas als Ganzes. Denn Nelson Mandela liebte sein Volk und sein Land so sehr, dass er seine Freilassung nicht eingewilligt hätte, wenn diese nicht zugleich die Befreiung Südafrikas und damit seines Volkes bedeutet hätte. Damals als er freigelassen wurde, spekulierte man viel über seinen gesundheitlichen Zustand. Viele waren davon überzeugt, dass ihm nach den Strapazen der 27 Jahre Haft, die Freiheit nicht bekommen würde und reduzierten seine Lebenserwartung auf höchstens zehn Jahre.

Wer Robben Island besichtigt kann sich ein Bild davon machen, was für ein Opfer Madiba für uns alle erbracht hat

Wer Robben Island besichtigt kann sich ein Bild davon machen, was für ein Opfer Madiba für uns alle erbracht hat

Aber wie uns die Geschichte dieses großen Mannes lehrt, wurde jeder der „Madiba“ unterschätzte des besseren belehrt. Er lebte noch fast ein Vierteljahrhundert nach seiner Freilassung. Ein Vierteljahrhundert in welchem er vieles bewegt hatte.  Er hatte den Südafrikanern das Verzeihen und die Versöhnung nicht nur gelehrt, sondern auch vorgelebt.  Er hatte seinem Volk und seinem Land das wichtigste beschert: FREIHEIT. Das wichtigste, weil Freiheit  die Voraussetzung nicht nur für die persönliche Entfaltung, sondern auch für diejenige eines Volkes als ganzes ist. Mandela hat mit der Freiheit seinem Volk die Voraussetzung für die Entfaltung geschaffen, die nicht in der Gewalt und Ressentiments, sondern im Verzeihen und Versöhnung seinen Ausdruck findet.

Diese Zelle zeugt von der Größe der Person, die sie 18 Jahre lang bewohnte und danach nur von Versöhnung sprach

Diese Zelle zeugt von der Größe der Person, die sie 18 Jahre lang bewohnte und danach nur von Versöhnung sprach

 

Obgleich den Südafrikanern einem langen Weg noch bevorsteht bis die Rassenvermischung eine Selbstverständlichkeit wird, nachdem die Rassentrennung durch die Apartheid über Generationen hinweg verankert wurde, so hat das Land in dieser Hinsicht bereits vieles erreicht. Dass mit der Erlangung der Freiheit nicht alles getan wurde, wusste „Madiba“ auch als er folgendes in seiner Autobiographie Long Walk to Freedom schrieb:  „Ich habe diesen langen Weg in die Freiheit zurück gelegt, ich habe versucht nicht zu wanken; Ich habe viele Fehltritte gemacht. Aber ich habe dieses Geheimnis entdeckt: Nach dem Klettern eines großen Hügels, alles, was man herausfindet ist, dass es noch mehr Hügeln zum klettern gibt.“ Diese Hügeln sind die Herausforderungen womit Südafrika heute konfrontiert ist und die Nelson Mandela auch noch meistern wollte wie er schrieb: Ich bin einen Moment stehengeblieben, um mich auszuruhen, um das herrliche Panorama zu bewundern, das mich umgibt ,um aus der Ferne den langen Weg zu betrachten, den ich zurückgelegt habe. Aber ich kann nur eine Weile ausruhen; Mit der Freiheit kommen auch Aufgaben; und ich wage nicht zu verweilen, denn mein langer Weg ist noch nicht beendet.“ Leider obliegt dem Menschen nicht die Entscheidung über die Dauer seiner Mission diesseits, so dass jeder irgendwann abdanken muss, so leider auch Nelson Mandela am 5. Dezember 2013 nachdem er Großes vollbracht hat, nachdem er den Südafrikanern die Freiheit und das Land zurück gab. Was die Südafrikanern daraus machen werden, bleibt ihnen überlassen. Fakt jedoch ist, dass dies Ihnen keiner mehr wegnehmen kann. 

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Nelson Mandela 20 Jahre Freiheit

Posted in africa, german post, Sub-Saharan Africa, worth reading on Februar 11th, 2010 by valerie

11 Februar 1990 – 11 Februar 2010

„Ich bin durch diesen langen Weg zur Freiheit gegangen. Ich habe versucht nicht zu gezögern, ich habe viele Fehltritte gehabt, aber ich bin diesem Geheimnis auf die Spur gekommen:  Alles was man herausfindet, nachdem man es geschafft hat einen hohen Berg zu besteigen ist, dass es noch viel mehr Berge zu besteigen gibt.“ Mit dieser Aussage im letzten Absatz des letzten Kapitels in seinem Lebenswerk „the long walk to freedom“, erwähnt Nelson Mandela die harte Arbeit und die Verpflichtungen, die damit verbunden waren bzw. sind.

Er war Frei und diese Freiheit war anders als  zu der Zeit vor seiner Inhaftierung vollkommen. Mit allen Rechte und Pflichten.  So kommt es, dass er über das aktive und passive Wahlrecht verfügte, das ihm auch ermöglichte sich zur Wahl zu stellen und auch als Präsident Südafrikas gewählt werden zu dürfen und seinem Volk zu dienen.

Für ihn gab es keinen Grund den Unterdrücker zu hassen und es ihm irgendwie heim zu zahlen. Schließlich hatte er erreicht, wofür er jahrzehntelang gekämpft hatte. Die Freiheit.

Sein Ziel war nicht nur seine eigene Freiheit zu erlangen, sondern vor allem diejenige nichtweiße unterdrückte Bevölkerung Südafrikas. Diese Vision war ihm jedes privates Opfer wert, dafür hatte er hart gekämpft, dafür hatte er sein Leben riskiert, dafür hatte er ein Leben mit seiner Familie geöpfert, er hatte  sich selbst geopfert. 27 Jahre eingesperrt. Er hatte alle Erniedrigungen hier in dieser Zelle über sich ergehen lassen, weil er an die Befreiung geglaubt hatte

Es folgte dann seine  Präsidentschaft als erster Schwarzer Präsident Südafrikas.

Obgleich diese Präsidentschaft auch eine wichtige Etappe in dem  Freiheitskampf dieses außergewöhnlichen Mannes gewesen ist, schaffte sie jedoch nicht alle Konflikte und Probleme womit die Schwarzen in Südafrika konfrontiert waren,  aus der Welt.

Die verschiedenen Ereignisse wie die Freilassung, die Präsidentenschaft und das Ende des Apartheidsregimes (1994), waren mit vielen Verpflichtungen und Erwartungen verbunden.  Sie stellten eine Möglichkeit dar, die Weichen für ein neues gerechteres  Südafrika zu stellen. Das Ziel aber nicht nur ein friedliches nebeneinander, sondern miteinander zwischen der weißen und der nichtweißen Bevölkerung kann nicht nur durch die Gesetze der Gleichstellung erreicht werden.  Es bedarf eine gegenseitige Anerkennung, die nur durch entsprechende Leistung erlangt wird. Hier spielt die Bildung eine entschedende Rolle. Durch die Fernhaltung der schwarzen Bevölkerung von der Bildung sind viele Generationen ohne Perspektive geblieben. Selbst ein „Black Empoyerment“ hilft da wenig, wenn nicht genug qualifizierte Schwarze vorhanden sind. Mandela hat dies erkannt und ein Schwerpunkt auf die Bildung gesetzt. Hier gibt es nämlich einen riesigen Nachholbedarf für die schwarze Bevölkerung. Erst wenn ihnen die gleichen Chancen, die gleichen Möglichkeiten und den selben Zugang zur Bildung ermöglicht wird, wird sich dies auch auf dem Arbeitsmarkt auswirken und somit auf die Gesellschaft.

Nelson Mandela hat den größten Teil der Arbeit in die richtige Richtung geleistet und dafür gesorgt, dass die Freiheit, die Gerechtigkeit, die Demokratie und der Rechtstaat die Grundstrukturen sind an denen sich der Staat Südafrika seit 1994 orientiert. Der jüngeren Generation kommt nun die Aufgabe zu das Gewonnene zu erhalten und auszuweiten.

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Zukunft Afrikas: Sanierung und Modernisierung der Regierungen als Chance?

Posted in africa, economic policy, german post, politics, Sub-Saharan Africa on Juli 7th, 2009 by valerie

Nicht nur die Welt, sondern wir Afrikaner selbst wissen, was die Entwicklung und den Fortschritt bei uns in Afrika hemmt. Warum ändert sich dann denn nichts?

Die Lektüre des Buches von Nelson Mandela „The long walk to freedom“ über die Errinnerungen an seine Kindheit, weckte in mir verschiedene Gefühle. Es war so als würde ich über meine eigene Kindheit lesen.

Einerseits waren es Gefühle, wie Heimweh und Sehnsucht nach meiner Kindheit, die mich heimsuchten, denn ich fand meine Kindheit unbeschreiblich und unglaublich schön. Unbekümmert Barfuss durch den Wald voller Geheimnisse und Gefahren mit Geschwister, Cousins und Cousine zu fetzen, im Schlamm und staub zu wühlen, mit den aus Kautschuk selbst gemachte Bällen Fussball spielen, Ziegen, Schweine, und Hühner hinterher zu laufen und sich dann in der Nacht vor einem brennenden Feuer gegenseitig vor dem Einschlafen Geschichten zu erzählen machte mich glücklicher als alles andere. Diese natürliche Freiheit ist was meine Kindheit ausmachte und die ich nicht vermissen möchte.

Dennoch wurde mir andererseits bei der Lektüre dieser Zeilen über seine Kindheit allmählich bewusst, wie sehr die Zeit in Afrika stehen geblieben, wie unterentwickelt Afrika geblieben war. Im Bezug auf die Geschichte, was Entwicklung und Fortschritt anbelangt, gehören wir sozusagen der selben Generation an, obwohl wir tatsächlich etwa 60 Jahre auseinander sind. Dies finde ich wirklich bestürzend.

Die Unterentwicklung Afrikas ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, die weltweit von Wissenschaftlern, Schriftstellern, verschiedenen Künstlern, Journalisten und Medien tagtäglich denunziert werden. Korruption, institutionelles Versagen, traditionelle Hintergründe, mangelnde ökonomische Diversifizierung, die Ungerechte Verteilung der Früchte des Wachtums, Kapitalflucht, zu geringe Investition in Humankapital und Marginalisierung auf Welthandelsebene… Die Liste könnte noch beliebig fortgesetzt werden.

Fest steht, dass diese Erkennisse alleine nicht ausreichen, um die Situation in Afrika zum besseren zu wenden. Damit Afrika die verlorenen Jahre wieder aufholen kann.

Ja es wurden exogene und endogene Maßnahme zur Entwicklungförderung unternommen, diese aber blieben erfolglos. Es wird ein Zustand der Stagnation gar der Rückläufigkeit was den afrikanischen Entwicklungsprozess anbelangt beobachtet.

Wieso lebt nach allen Erkenntnissen und  Anstrengungen immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung Afrikas Südlich der Sahara unter dem Existenzminimum?

Warum ist über Afrika immer noch die Rede von Armutreduzierung und -bekämpfung und nicht schon längst über Wohlstand für alle?

Während in den westlichen Demokratien, eine schlechte Regierungsführung der Machtinhaber durch ihre Abwahl bestraft wird, erlebt man in Afrika anscheinend das Gegenteil. Je schlechter die Regierungsführung desto öfters werden die Verantwortlichen wiedergewählt.

Kamerun zum Beispiel kennt seit seiner Unabhängigkeit 1960 nur zwei Präsidenten. Der erste, Ahmadou Ahidjo  regierte 22 Jahre lang. Der aktuelle Paul Biya ist seit 27 Jahre im Amt und ein Ende seiner Amtzeit ist nicht in Sicht. Ein Rekord erreichte sein im April im Amt verstorbener Amtskollege aus Gabun Omar Bongo Odimba, der sein Land 41 Jahre lang regierte. Gabun das bekanntlich sehr reich an Erdöl ist, geht es aber nicht besser als anderen Ländern auf dem Schwarzen Kontinent, was vielleicht seine überzogene Amtzeit rechtfertigen würde. Ganz im Gegenteil Omar Bongo musste in Spanien (wo er auch starb) behandelt werden, weil er nach 41 Jahre Regierungszeit es nicht geschafft hatte ein angemessenes Krankenhaus bereit zu stellen, das würdig gewesen wäre ihn selbst zu behandeln.

Also bei der Suche nach Lösungen für eine effizientere Entwicklung Afrikas, sollte die Komponente der Modernisierung und Sanierung seiner Regierungen samt Personal nicht vernachlässigt werden. Afrika braucht neue Manschaften.

Ein afrikanischer Sprichtwort sagt, dass ein einziger mit Karies erkrankter Zahn es schaffen kann alle andere Zähne anzustecken, wenn er nicht rechtzeitig entfernt wird. Deshalb soll die Sanierung ganz oben beginnen. Dies allerdings fällt wegen des Souveränitätsgebots in die Zuständigkeit des Volkes, das aber aus unterschiedlichen Gründe von seinen Rechten zu wenig Gebrauch macht. Hierin liegt das Dilemma der Entwicklung Afrikas.

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