Afrika- ein Kontinent im Umbruch: Von Bürgerkriegen zur friedlichen Revolution?

Posted in africa, Democracy, german post, off topic, politics on Februar 14th, 2011 by valerie

Die Zeit der Passivität, des Zuschauens, der einseitigen Schuldzuweisung ist vorüber.

Ein neuer, ein frischer Wind weht durch Afrika.

Sah es zunächst so aus, als hätte die Entkolonialisierung den Afrikaner den Weg zur Freiheit und somit zu unbegrenzten Möglichkeiten geebnet, so wurden all die Träume, die mit dieser Entkolonialisierung einhergingen Jahrzehnte lang Stück für Stück durch Missmanagement und akute Korruption zerstört, so dass mehrere Generationen in die Hoffnungslosigkeit versanken. Es wundert deshalb nicht, dass diese desolate Situation der Afrikaner als aussichtslos nicht nur von Außenstehenden, sondern auch von den Betroffenen selbst empfunden wurde.

Tatsächlich sah es so aus, als sei das afrikanische Volk der Omnipotenz und der Inkompetenz sowie dem Gier der Machtkartell des Kontinents hilflos ausgeliefert.  Wie wäre sonst die Diskrepanz zwischen der großen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit mancher Regierungen und das Bestehen dieser Regierungen über Jahrzenhte hinweg zu erklären?

In den westlichen Demokratien weiß man, dass eine Regierung, die die Zustimmung in der breiten Bevölkerung verloren hat, zum Untergang verurteilt ist, denn diese bei der nächsten Gelegenheit abgewählt wird. Aber in den meisten Länder Afrikas scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Je weniger Zustimmung manche Regierungen finden, desto länger bleiben diese im Amt. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass die Afrikaner begonnen haben die Transparenz und effizienz der Demokratie in Form von freie Wahlen in Frage stellen.

Die Beispiele Tunesiens und Ägyptens dienen als Alternative, was die gewaltlose Absetzung einer Regierung anbelangt.

Das Volk, dessen Einfluss die Machthaber lang unterschätzt hatten, kann handeln. Es kann sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und Veränderungen herbeiführen. Das Medienzeitalter macht es möglich.

In Afrika steht man weiterhin vor dem Dilemma, dass diejenigen, die guten Positionen inne haben und deshalb durchaus in der Lage wären die notwendigen Reformen anzustoßen und dem Kontinent von seinen zahlreiche Geißeln (hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität, Seuchen,  politischer Instabilität, schwache Wirtschaft sowie Korruption, Armut, Bürgerkriegen und Chaos) zu befreien dem „Charme“ der Korruption erlegen. Diejenigen, die von Unten (Studenten, Selbständige, Arbeitslosen etc…)  etwas für die Veränderung unternehmen wollen und deshalb auch aktiv werden, werden durch repressive Maßnahmen in ihre Schranken gewiesen. Und diejenigen, die tagtäglich um ihr Überleben kämpfen, und das politische Geschehen an denen deshalb vorbeizieht.

Unter diesen Voraussetzungen war es überhaupt nicht abzusehen, dass sich dennoch einflussreiche Gruppierungen bilden könnten, die ihre Befreiung alleine durch friedliche und hartnäckige Demonstrationen forcieren würden. Bisher war nur durch gewaltsame Putschs,  gelungen die meisten Machthaber aus dem Amt zu jagen, was jedoch in den meisten Ländern in Bürgerkriege mündete.

Dass es friedlicher und effizienter gelingen kann, haben die Beispiele Tunesiens und Ägyptens gezeigt. Es liegt nun in den Händen der übrigen Bevölkerungen, selbst zu entscheiden in welchem Afrika sie zukünftig leben wollen.

Werden sie wie das ägyptische und tunesische Volk den nötigen Mut aufbringen und dafür kämpfen, dass die richtigen Personen die Führung in den jeweiligen Ländern übernehmen, solche, die Afrika lieben und den Kontinent  im allgemeinen, und die jeweiligen Länder insbesondere wirtschaftlich und politisch vorantreiben?

Oder werden diese Beispiele als Ausnahme in die Geschichte eingehen?

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Rohstoffblase, Internetblase, Immobilienblase: Reaktionfähigkeit des Nationalstaates

Posted in africa, economic policy, german post, international relations, off topic, Wirtschaftspolitik on Mai 14th, 2010 by valerie

Aufgrund ihres Rohstoffs- und Ressourcenreichtums und der Attraktivität ihrer Cash-Crops auf dem Weltmarkt,  fusste die Wirtschaft der meisten Staaten Afrikas südlich der Sahara – in den 60er Jahren nach der Entkolonialisierung – überwiegend auf  Einnahmen aus Rohstoff- und Cash-Cropshandel mit dem Staat als wichtigster Arbeitsgeber und Investor.

Analog zu der Immobilienblase 2007, platzte die Rohstoffblase aufgrund der vorangegangenen Rohstoffpreisschocks der 80er Jahre. Die meisten Volkswirtschaften des Schwarzen Kontinents erlitten massive Einnahmenausfälle, die sie am Rande des Bankrotts  führten.

Ich errinnere mich daran, dass die ersten Sparmaßnahmen der Regierung darin bestand, das Gehalt der Beamten erst bis zu 70% zu kürzen. Da diese unmittelbare Sparmaßnahme  nur den Effekt eines Tropfen auf dem heißen Stein hatte, diente das komplette Einfrieren der Gehälter als nächster Schritt . Ich spürte dies als Kind, da die halbstaatliche SODECAO bei der mein Vater damals als Vortand arbeitete von Heute auf Morgen pleite ging und er unerwartet mit allen Konsequenzen in die Frührente versetzt wurde.

Plötzlich gab es nicht mehr genug  zu essen. Aus drei Mahlzeiten am Tag, wurde nur noch eine. Nicht einmal die Schulbeiträge, die ihm so wichtig waren und die pro Trimestre erhoben werden sollten, war er noch in der Lage zu entrichten. Dann folgten die Strom- und Wasserrechnungen, die sich stapelten und der Vermieter, der genauso betroffen war, lies auch wegen den Mietrückständen nicht mehr locker. Schließlich war das Leben in der Stadt nicht mehr finanzierbar, so zogen wir ins Dorf zurück, da wo man von dem lebt, was man selbst anbaut. Nicht nur wir waren von den Folgen dieser Krise so betroffen, sondern die Gesamtbevölkerung Kameruns.

Diese Wirtschaftskrise traf meine Familie besonders hart, da mein Vater alles auf Kakao gesetzt hatte. Er arbeitete nicht nur für eine Firma die Kakao Erzeugnisse verarbeitete, er investierte auch sein gesamtes Vermögen in den Anbau von einer 43 Hektars Kakaoplantage, die nicht nur als zweites Standbein für die Ernährung seiner Kinder, sondern auch als seine Altersvorsorge fungierte. Da Kakao auf dem Weltmarkt nicht mehr attraktiv war, sanken die Preise dementsprechend bis zu 70%. Die gesamten Ernten die danach folgten waren quasi wertlos. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater sich am Anfang weigerte sein Kakao unter diesen Bedingungen zu verkaufen, er dachte die Situation wurde sich ganz schnell wieder verbessern. Es wurde jedoch schlimmer und er erlitt einen Herzinfarkt und starb.

Da die entstandene Wirtschaftskrise keinen Sektor ersparte, wurden selbst die eigenen Erspanisse eingefroren. Die meisten menschen in Kamerun hatten die Ursachen dieser Krise jedoch nicht verstanden. Sie brachten sie eher mit Demokratie, Missmanagement und Korruption in Verbindung. Da es unmittelbar davor einen Regierungswechsel gegeben hatte.

Die alte Diktatur unter der es Kamerun wirtschaftlich sehr gut ging und die neue „Demokratie“, die aufgrund der Überschneidung mit den Entwicklungen auf dem Weltmarkt,  Unheil erzeugte. Wir alle klagten deshalb, dass die Lebensbedingungen unter der Diktatur besser gewesen wären, da man durch Arbeit eine gewisse Lebensqualität hat erreichen können und trauerten ihr nach. Die Demokratie jedoch versprach die Freiheit aber mit ihr war das Unheil entstanden, dachten wird zumindest. Wie frei kann also ein Volk sein das hungert und das seine Kinder nicht einschulen und ihnen deshalb keine Zukunftsperspektive anbieten kann?

Diese Denkweise blieb bis ich hier in Deutschland mein Studium der Politikwissenschaft aufnahm bei mir verankert.

Als ich dann meine Diplomarbeit über Kamerun verfasste und ich die Möglichkeit dadurch bekam die wahren Hintergründe dieser Wirtschaftskrise auf dem Grund zu gehen, habe ich verstanden welches Unrecht wir unserem Staatsmann und der Demokratie durch unsere Ingnoranz teilweise getan haben.

Die damalige Wirtschaftskrise war weniger auf die Demokratie und auf Missmanagement sowie Korruption als viel mehr auf die Entwicklungen auf dem Weltmarkt zurückzuführen.

Die seit 2007 aus den USA ursprüngliche und inzwischen global gewordene Wirtschafts- und Finanzkrise und die ergriffenen Maßnahmen für die Milderung ihrer Folgen, insbesondere die aktuelle Maßnahmen um den Staatsbankrott in Griechenland zu verhindern, wecken in mir ein Gefühl der tiefen Bewunderung für mancher Staatsmänner Afrikas südlich der Sahara. Denn entgegen der verbreiteten Meinung die  miserable Wirtschaftslage der hochverschuldeten armen Ländern zu denen die meisten  Staaten Afrikas in Zuge der Rohstoffpreisschocks der achtziger Jahre rangieren, sei wegen  der schlechten Regierungsführung, Missmanagement und Korruption entstanden, zeigt die aktuelle Wirtschaftskrise die Ohnmacht der Nationalstaaten gegenüber Entwicklungen auf dem Weltmarkt seien sie hoch- oder minderentwickelt.

Dennoch bleibt die Frage der Reaktionsfähigkeit der verschiedenen Staaten bei der Abwehr von den Folgen, die aus solchen Blasen entspringen unterschiedlich. Ob ein Staat in der Lage ist sich selbst zu helfen oder auf die Dritthilfe angewiesen ist.

Dieses System der Selbsthilfe müssen die afrikanische Staaten spätestens nach der aktuellen Finanzkrise aufbauen.

Denn aufgrund der Unvorhersehbarkeit solcher Blasen ist lediglich die Frage der Reaktionsfähigkeit der betroffenen Staaten ausschlaggebend.

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