Kamerun: Präsidentschaftswahl 2011 Bedrohung für Stabilität und Sicherheit

Posted in Sub-Saharan Africa, africa, german post, politics, worth reading on Juni 29th, 2011 by valerie

1.2. Deutsche Hinterlassenschaft

Obgleich die Kolonialisierung auf verschiedene Ursachen zurückzuführen war unter anderen Beispielweise die Pflicht zur Förderung der Entwicklung des Einheimischen, so war die  Koloniebesitzung für die deutschen in erster Linie zurückzuführen auf dem Willen, dem Mutterland neue Quellen zuzuführen und neue Abflussgebiete zu verschaffen. Der Vorwurf, dass die Einheimischen „Unfähig“ gewesen seien, aus ihnen im Überfluss zur Verfügung stehenden natürlichen Reichtum  Wert zu schöpfen rechtfertigte ihre Enteignung.

So existierte bei der Ankunft der Deutschen in Kamerun überhaupt keine Infrastruktur. Die Ausstattung des neu erworbenen Territoriums mit einer modernen Infrastruktur war somit eine unumgängliche Voraussetzung zur Realisierung der mit der Kolonialisierung verbundenen wirtschaftlichen Kalküle. Wie Albert Wirz dies betont: „Die militärisch-politische Besitznahme und der Aufbau einer kolonialen Verwaltungsorganisation mit ihr angeschlossenen Schulen und anderen sozialen Einrichtungen waren weder Agens noch Ziel, sondern lediglich unabdingbare Begleiterscheinungen einer als ökonomische Notwendigkeit erachteten Aktion, der es in erster Linie um Erschließung neuer Märkte […] und die Sicherstellung ihrer Versorgung mit tropischen Rohprodukten ging.“  Da die Kolonien nicht nur als Absatzmärkte – Textilwaren, Eisen- und Metallwaren, tierische Lebensmittel, Mineralstoffe, Getränke, Genussmittel, Geld, Instrumente, Bauholz, chemische Erzeugnisse, Stein und Glaswaren, Lederwaren, Seife , Waffen und Munition, Papier und Gummiwaren – fungierten, sondern auch als Rohstofflieferanten – Baumwolle, Kautschuk, Tropenhölzer, Rohölstoffe, Fette, Kakao, Elfenbein, Tabak und Kaffe,  musste dafür gesorgt werden, dass der Bestand dieser verschiedenen Rohstoffe, die maßgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum des Mutterlandes beitrugen stets gewährleistet blieb.

Aus diesem Grund begannen die Deutschen, sobald die Besitznahme Kameruns abgeschlossen war, mit einer Inventarisierung der Bodenschätze Kameruns, stellten Forschungseinrichtungen auf und nahmen die Modernisierung des Territoriums auf, indem sie verschiedene Plantagen kreierten, den Wald ausbeuteten, Verkehr- und Kommunikationseinrichtungen eröffneten. Dabei wurde der Agrarwirtschaft die oberste Priorität eingeräumt. So dass einen Anstieg der  Ausfuhr der cash-crops  um 6 Millionen Mark von 10 Millionen Mark im Jahre 1906 auf fast 16 Millionen im Jahre 1907 verbucht werden konnte. Um den hohen Bedarf an Agrarerzeugnisse decken zu können, musste die Produktion maßgeblich gesteigert werden. Dies setzte jedoch das Vorhandensein entsprechenden Kapazität an Arbeitskräften voraus. Aufgrund der niedrigen Bereitschaft der Einheimischen den Deutschen ihren Diensten freiwillig zur Verfügung zu stellen, wurden diesen teilweise zwangsrekrutiert.

Die von Deutschland benötigten Rohstoffe wurden somit von den Einheimischen angebaut und nach Deutschland ausgeführt. Es entstanden binnen weniger Zeit unter anderem Bananen-, Kaffee-, Kakao-, Tabak-, Baumwoll- und  Kautschukplantagen.  Bis 1904 wurden auf insgesamt 50.000 ha angebaut. Bis Anfang 1913 stieg die Zahl der europäischen agrarischen Unternehmen rasant.  parallel wurde der Bergbau intensiviert und immensen Summen in die Erdölförderung investiert. Letztere müsste aufgrund des Aufbruchs des Ersten Weltkrieges unterbrochen werden und blieb deshalb erfolglos. Wurde in den ersten Jahren alles von Trägern auf den Kopf transportiert, so stellte sich bald die Frage nach effektiveren und produktiveren Transportmöglichkeiten. Die Autobahn Kribi-Yaounde war die erste Kameruns und wurde 1912 fertig gestellt. Bis 1914 entstanden weitere Autobahnen, die die wichtigsten Regionen miteinander verbanden. Die Eisenbahn wurde am 11. April 1911 eröffnet und bis zum Aufbruch des Ersten Weltkrieges 1914 auf 173 km ausgebaut. Mehr als 5000 Arbeiter arbeiteten dort unter schwerste unsägliche Bedingungen. In Douala wurde bis 1910 ein Bahnsteig mit einer Gesamtlänge von 110 Meter angelegt. Die Häfen von Victoria, Tiko und Kribi wurden eingerichtet und die Telekommunikation ausgebaut. So wurden neben telegraphische auch telephonische Verbindungen verlegt. Auf der sozialen Ebene wurden Krankenhäuser gebaut und die bereits bestehenden Missionarschulen durch öffentliche  ergänzt. Die erste Missionarschule wurde bereits 1886 zwei Jahre nach  der Besitznahme Kameruns durch den Gouverneur von Soden in Douala gebaut. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges zählte das öffentliche deutsche Bildungswesen schließlich 833 Schüler. Ab 1888 flogen kamerunische Abiturienten nach Deutschland, um dort zu studieren.

Zusammenfassend, kann an dieser Stelle gesagt werden, dass, wenn auch um ihr eigenes Wohlergehen und die Notwendigkeit der kapitalistischen Entwicklung des Mutterlandes besorgt  , die deutschen Kolonialherren, trotz der repressiven Methoden und die daraus resultierende „Entwurzelung“ und Destabilisierung der traditionellen kamerunischen Völker, mehrere positive externe Effekte für Kamerun mit sich brachte und einen Anstoß für die kamerunische Entwicklung gab bis sie durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Deutschland mit dem Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 allen seine Kolonien entzogen.  So gingen die deutschen Kolonien Togo, Tanganjika, Ruanda und somit auch Kamerun als Mandatsgebiete des Völkerbundes in das Treuhandsystem dieses Bundes über.

Fortsetzung folgt…

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Kamerun: Präsidentschaftswahl 2011 Bedrohung für Stabilität und Sicherheit

Posted in Entwicklungspolitik, Sub-Saharan Africa, africa, german post, politics, worth reading on Juni 27th, 2011 by valerie

1.1. Kamerun unter der Deutschen Kolonialherrschaft

Die Anwesenheit der Deutschen in den kamerunischen Küsten geht zurück auf 1860 .

1861 erklomm ein deutscher Botaniker namens Mann den Kamerunberg und nahm die Erforschung seiner Flora auf. Im Jahr 1868 gründete Adolph Woermann ein Handelshaus an der südlichen Kamerunküste in Batanga.

Während der britischen Regierung die Schutzgesuche der Douala Oberhäuptern ständig zurückwies, lies sich Deutschland nicht lange bitten. Das Kaiserreich unter Reichskanzler Bismarck erklärte sich bald bereit, Douala unter seine Obhut als Protektorat zu nehmen.

Infolgedessen vollzog sich die Unterzeichnung des ersten Veräußerungsvertrages zwischen Edouard Woermann, der jüngere Bruder von Adolph und den Bambia Chefs am 12. Juli 1884.  letzteren erklärten ihre Bereitschaft, ihr Territorium der Hamburger Firmen C. Woermann und Jantzen & Thormählen zu überlassen.  (Onana, Mfege, André-Hubert: Le Cameroun et ses Frontières, Paris u.a 2005, S. 18-19)
Dies war der zweite und bedeutende Vertrag, nachdem am 30. Januar 1883, König Akwa ein wichtiges Handelsabkommen mit Edouard Schmidt, einem Stellvertreter des Hauses Woermann unterzeichnet hatte.

Am  12 Juli 1884 am Tag der Unterzeichnung des Veräußerungsvertrages, legte ein deutsches Kriegsschiff, die Möwe, in Wouri an, mit Dr. Gustav Nachtigal der deutsche Konsul in Tunis an Bord. Er war im Auftrag des deutschen Kaisers gekommen um Kamerun in seinen Besitz zu nehmen. Die offizielle Zeremonie fand am 14. Juli 1884 statt im Zuge dessen Dr. Nachtigal die deutsche Flagge in der Stadt Douala hisste. Nach dem Abkommen mit König Akwa folgten weitere, wie zum Beispiel jenes vom 22. Juli 1884 mit Djambé und vom 28. August des gleichen Jahres mit König Pass-All.

Zeitgleich bekam der britische Konsul Hewett – „Alias“ the  too late consul – endlich die Erlaubnis mit den kamerunischen Häuptlingen zu verhandeln. Als dieser jedoch in Victoria (Viktoria war  die Hauptstadt von Kamerun) am 19. Juli 1884 ankam, war es bereits zu spät. Das Gebiet war eine Woche zuvor von den deutschen annektiert worden.  (Graudenz, Karlheinz: Die deutsche Kolonien, München 1984, 3. durchges. und erab. Aufl., S. 215)

Die Rechte Deutschlands auf Kamerun mussten von England und Frankreich während der 15. November 1884 in Berlin tagender Afrikakonferenz anerkannt werden. Somit wurde Deutschland den Weg geebnet, seinem Expansionsdrang in Kamerun freien Lauf zu lassen. Denn anders als bei den Häuptlingen und Könige der Kamerunküste hatten sich die übrigen Regionen und Völker den deutschen nicht freiwillig unterworfen. Besonders im südlichen Hinterland lebende Maka, leisteten lange heftige Gegenwehr. Dieser Widerstand war jedoch gegenüber den sehr “ehrpussligen“ deutschen meist zwecklos, den er wurde mit ungleichen Waffen geführt. So wurden sie schnell durch energische Strafexpeditionen in ihre Schranken gewiesen.  Flächendeckend wurde nach blutigen Kämpfen, eine Region nach der anderen annektiert, bis ganz Kamerun in die Hände Deutschlands fiel. Deutschland hatte 1913 am Vorabend des Zweiten Weltkrieges somit ein kamerunisches Staatsgebiet mit der Gesamtfläche von 745000 km² und mit einer Einwohnerzahl von 2 652 000 unter seiner Kontrolle. (Warnack, M.: Koloniale Ergänzungswirtschaft für Deutschland Zahlen und Tatsachen, Berlin 1939, S. 8)

Fortsetzung folgt…

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Kamerun: Präsidentschaftswahl 2011 Bedrohung für Stabilität und Unsicherheit

Posted in Democracy, Sub-Saharan Africa, africa, french post, german post, politics, safety policy, worth reading on Juni 24th, 2011 by valerie

Kameruner,  Kamerunerinen, Kamerun ist frei und Souverän.

… Wir werden eine Nation bilden auf die unsere Kinder stolz sein werden und die sich ihr Platz auf der Welt schaffen wird.

Mit diesem Versprechen schloss der damals noch Premierminister und später erster Präsident der Republik Kamerun Ahmadou Ahidjo seine bewegende Rede am 1. Januar 1960 im Rahmen der Feierlichkeit anläßlich der neu Erlangten Unabhängigkeit.

Im Jahr 2010 blickte das Land auf 50 Jahre politische Selbstbestimmung zurück. Im Oktober dieses Jahres wird die vierte pluralistische Präsidentschaftswahl in Kamerun stattfinden, Anlass genug mittels einer Bestandsaufnahme zur Lage des Landes, einen Blick in die Zukunft zu wagen und somit der Frage nach zu gehen, was aus der Euphorie, aus all den Hoffnungen, Erwartungen und Träumen der Kameruner geworden sind, die mit dieser “Unabhängigkeit” einhergingen.
Ein aktueller Blick in die Fakten zeigt, dass Kamerun zurzeit unter den vom  Internationalen Währungsfund (IWF) 1996 initiierten Programm sog. Hochverschuldete Armen Länder (HIPCS) rangiert. Dass es mit Rang 131 unter den 169 Länder, die im Human Development Index 2010 vorkommen als Land mittleren Entwicklungsstandes eingestuft wird.
Zudem gebührt dem Land auf Platz 146 mit 2,2 Punkten  des Rankings von Transparency international, den Ruf eines der Korruptesten Länder der Welt. Des Weiteren besetzt es  bei dem Mo-Ibrahim-Index 2010 das das gute Regierungsmanagement misst, nur Rang 34 unter den 51 untersuchte Länder.

Reichen diese verschieden Rankings aus, um darüber ein Urteil zu fällen, ob Kamerun sein vor einem halben Jahrhundert gegebenes Versprechen einlösen konnte? Welche Auskunft gibt die Zahl 50 über dieallgemeine  Entwicklung des Landes?
Die Beantwortung dieser Fragen setzt nicht nur einen Blick in die Geschichte voraus, sondern erfordert die geopolitische und wirtschaftliche Analyse der Lage des Landes.

1.  Staatswerdungsprozess Kameruns
Kamerun als Landesname in diesem Sinne existierte vor der Ankunft der Seeleuten und der Kolonialen Mächte nicht. Es handelte sich bei Kamerun weniger um ein Land als vielmehr um eine Ansammlung von nebeneinander existierenden Völkern (Stämme), die jeder seine eigene Traditionen und Kulturen besaßen und zudem ständig im Konflikt zueinander standen.
So verdankt Kamerun seinen Namen den Portugiesischen Seeleuten. Um 1472 erreichte einen portugiesischen Seemann Namens Fernâo do Poo, die Bucht von Biafra und entdeckte dort zugleich eine Insel, die später nach ihm benannt wurde und den Kamerunberg sowie die Bucht von Ambas, die sich unterhalb des Kamerunberges befand.  Es steht jedoch nicht fest, ob Fernâo do Poo kurze Zeit danach die Flussmundung von Wouri (Der Wouri (auch Vouri oder Vuri) ist ein Fluss in Kamerun, dessen Mündung sich bei Douala befindet) entdeckte, in jedem Fall waren es wieder Portugiesen, die im selben Jahr, die Wouri Mündung entdeckten. In den Gewässern dieses Flusses lebte eine seltene Krabbenart die in Zoologie als „Callianassa Turnerana White“ bezeichnet wir und „Mbéatoé“ in der Douala-Sprache genannt werden. Diese Garnellen immigrierten alle drei bis fünf Jahre in sehr engen Schwärmen und überfluteten die Gewässer dieses Flusses. Die Portugiesen müssen bei ihrer Ankunft in der Bucht von Wouri auf dieses faszinierende Natur Phänomen gestoßen sein. Von den Anblick überwältigt, tauften sie den Fluss „Rio dos Camaroes“, was so viel wie Krabbenfluss bedeutet. „Rio dos Camaroes“ wurde dann in spanischer, deutscher, französischer und englischer Sprache jeweils Rio dos Camerones, Kamerun, Cameroun und Cameroon. Die Portugiesen betrieben für eine gewisse Zeit Handel in der kamerunischen Küste. Später entdeckten sie den Kongo und verließen sie.

Im Allgemeinen waren Anfangs Handel und Abenteuerlust die Hauptgründe, die die europäische See- und Kaufleute nach Afrika lockten. Mit den Einheimischen betrieben sie Tauschhandel. Waren, wie u. a. Salz, Seife, Feuerwaffen Textilartikel, Tabak, Töpfe und Alkohol wurden gegen Palmöl, Elfenbein, Gold, Kautschuk und Sklaven getauscht.  Somit war der Handel drei Jahrhunderte lang die Ursache des Interesses der Europäer für Afrika. Schon bald stellte sich Aufgrund der Einsetzenden Industrialisierung in Europa und des mit ihr einhergehenden Produktionsüberschusses einerseits und dem steigenden Rohstoff- und Energiebedarf andererseits das Problem der Erschließung neuer Absatzmärkte und jenes des Rohstoff- und Energievorkommen, beide ließen sich durch das Besitzen von Kolonien lösen. Mit diesen Absatzmarkt- und Rohstoffsargumenten setzte die Eroberung Afrikas ein.  Kamerun war von diesem Wirbelwind der Eroberungen nicht unverschont geblieben.

Mitte des 20. Jahrhunderts, war Kamerun eine sehr florierende Handelzone. Die Engländer ließen sich 1827 zuerst durch ihre Missionare und Händler an der kamerunischen Küste (Douala) nieder.  Von 1840 bis 1860 wurden unzählige Verträge zwischen den Stellvertretern der englischen Regierung und den Häuptlingen von Douala unterzeichnet. Längerfristig gewann der englische Handel zunehmend an Bedeutung.
Wegen ihrer Rivalitäten und Auseinandersetzungen ersuchten die einheimischen Häuptlinge aus eigener Initiative die englische Schutzherrschaft. König Bell von Douala formulierte 1864 zu diesem Zweck ein Schutzgesuche an die englische Königin Victoria. Im Jahr 1879 wurde dieses Schutzgesuche von König Akwa mit seinen untergeordneten Chefs wiederholt. Da diese beide Gesuche Erfolglos blieben, wandten sich diese am 6. November 1881 mittels eines gemeinsamen Briefes an den englischen Premierminister. In einem offiziellen Schreiben vom 1. März 1882 lehnte die englische Regierung ab, Kamerun als Schutzgebiet anzunehmen.
Diese ablehnende Haltung Englands führte die Könige Doualas in die Armen der deutschen. So wandten sich die Douala Oberhäupter den Deutschen zu, die sich mittlerweile auch in Douala niedergelassen hatten und deren Ankunft an den kamerunischen Küsten um 1860 datierte. Aufgrund der Unschlüssigkeit der englischen Regierung, Kamerun endlich als ihr Schutzgebiet anzuerkennen, besetzte Deutschland das Territorium.

Fortsetzung folgt…

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